Schattenblick →INFOPOOL →TIERE → TIERSCHUTZ

QUAL/063: Schwer verdaulich - Putenmast in Deutschland (PROVIEH)


PROVIEH MAGAZIN - Ausgabe 03 / 2009
Magazin des Vereins gegen tierquälerische Massentierhaltung e.V.

Schwer verdaulich -
Putenmast in Deutschland

Von Stefan Johnigk


Putenfleisch ist beliebt, ganz besonders bei Frauen und Kindern. Es gilt gemeinhin als fettarm, zart und leicht verdaulich. Bleischwer im Magen liegen muss den Kundinnen dagegen das Wissen, unter welch leidvollen Bedingungen die Truthühner aufwachsen. Doch dem Putenschnitzel selbst ist es kaum anzusehen, woher die Tiere stammen. Das ist ein Glück für die Fleischindustrie, die mit der nichtssagenden Phrase "kontrollierte Markenqualität" für Geflügelprodukte aus der Intensiv-Tierhaltung wirbt. Dumpingangebote wie "Putenbrust für 5,99 EUR das Kilo" sind bei Discountern keine Seltenheit mehr. Bio-Putenfleisch dagegen ist nicht nur äußerst selten in konventionellen Lebensmittelgeschäften zu finden, es kostet in der Regel auch dreimal so viel wie industrielle Ware. Der Leiter eines gehobenen Lebensmittelmarktes in einem Stadtteil voller hochgebildeter Akademiker und Studenten bringt das Problem auf den Punkt: "Wenn ich Bio-Putenfleisch bestelle und in meiner Fleischtheke anbiete, kann ich es später wegwerfen. Sobald die Kunden auf das Preisschild schauen, bleibt ihnen die Spucke weg und sie kaufen wider besseres Wissen dann doch das konventionelle Putenbrustfilet."

Kein Wunder, dass nur magere 190.000 der insgesamt 10.890.000 bundesdeutschen Putenmastplätze nach den Richtlinien der Öko-Verordnung ausgestattet sind. Doch die Skandale um hundertausendfache Putenvernichtungen zur Marktstabilisierung in Cloppenburg oder den massiven Einsatz von Antibiotika haben einige Medienvertreter auf das Problem der Putenmast aufmerksam gemacht. So sendete der NDR Interviews zum Thema mit Fachleuten von PROVIEH, und das Wissenschaftsmagazin "Galileo" des Senders PRO7 drehte mit Unterstützung von PROVIEH einen kompletten Beitrag zu den Missständen in der Putenmast (Ausstrahlung voraussichtlich Oktober 2009).

Was weiterhin fehlt, sind verbindliche Richtlinien zur Putenhaltung in der EU und in Deutschland. PROVIEH setzt sich bei der Bundesregierung und der Europäischen Kommission für die Schaffung solcher Richtlinien ein. Zu ihnen müssen gehören: deutlich mehr Platz in den Ställen, mehr Licht und bessere Luft, separate Behandlung erkrankter Tiere, ein striktes Verbot des schmerzhaften Schnabelkürzens und ein Verbot der Mast von Puten aus Qualzucht. Denn so begehrt das weiße Fleisch heute auch ist, die Zustände in der deutschen Putenmast sind absolut schwer verdaulich.


*


Quelle:
PROVIEH MAGAZIN - Ausgabe 03/2009, Seite 37
Herausgeber: PROVIEH - Verein gegen
tierquälerische Massentierhaltung e.V.
Küterstraße 7-9, 24103 Kiel
Telefon: 0431/248 28-0
Telefax: 0431/248 28-29
E-Mail: info@provieh.de
Internet: www.provieh.de

PROVIEH erscheint viermal jährlich.


veröffentlicht im Schattenblick zum 19. November 2009