Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) - Verband für
Arten- und Biotopschutz
Presseinformation vom 7. August 2025
Gletscher-Gipfel: Breiter Zusammenschluss drängt auf entschlossene Maßnahmen für Bayerns Bergwelt
Auf der Zugspitze haben sich Akteure aus Politik, Wissenschaft, Bergsport und Naturschutz zusammengeschlossen und gemeinsam die Resolution "Unsere Gletscher, unsere Berge: Heimat bewahren!" verabschiedet. Sie fordern konsequenten Schutz für Artenvielfalt und Bergwälder sowie ein klares Bekenntnis zum Ziel "klimaneutrales Bayern 2040".
Zugspitze (07.08.2025) Auf dem Gipfel von Deutschlands höchstem Berg stehen Vertreterinnen und Vertreter von Wissenschaft, Bergsport, Naturschutz und Politik Schulter an Schulter, um eine deutliche Botschaft zu senden: Bayerns Berge und das Voralpenland brauchen Schutz - und zwar jetzt!
In den vergangenen Wochen haben verschiedenste Bündnispartner unter dem Motto "Rettet die Berge" bereits vor der Staatskanzlei und am Marienplatz bunt und lautstark gemahnt, dass die Zeit des Aufschiebens vorbei ist. Nun hat diese Mahnung die Zugspitze erreicht.
Die heute bei einer Pressekonferenz vorgestellte Resolution "Unsere Gletscher, unsere Berge: Heimat bewahren!" ist mehr als ein Papier. Sie ist ein Weckruf! Denn klar ist: Der Rückzug der letzten bayerischen Gletscher ist nicht aufzuhalten - aber die Folgen für Mensch und Natur, Wasserhaushalt und Artenvielfalt, Bergsport und Tourismus können wir noch abmildern, wenn wir sofort entschieden handeln.
Die Initiatoren der Resolution fordern daher die Staatsregierung u.a. auf:
"Die Gletscher schmelzen - und mit ihnen darf nicht auch unser Wille zum Handeln dahinschmelzen", so der Tenor der beteiligten Verbände und Organisationen. Die Resolution macht deutlich: Klimaschutz ist kein abstraktes Zukunftsthema. Er betrifft Menschen direkt - vom Bergsportler bis zur Familie im Voralpenland, von Reisenden bis zu Wissenschaftlern und Menschen, die Wasser aus alpinen Bächen beziehen.
Die Unterzeichner der Resolution sind
(alphabetisch nach Institution):
- BayernSPD
- BUND Naturschutz
- Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag
- CIPRA Deutschland
- Prof. Dr. Wilfried Hagg, Glaziologe Hochschule München
- LBV - Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern
- Mountain Wilderness Deutschland
- Thomas Müller, Trainer Nordische Kombination, Olympiasieger im Team
1988
- NaturFreunde Bayern e.V.
- ÖDP Bayern
- Protect our Winters (POW) Germany
Ronja Endres, BayernSPD, Landesvorsitzende:
"Die Alpen bieten Erholung für Millionen und sichern zugleich
Arbeitsplätze in der Region. Wer ihren Schutz lockert, gefährdet
beides. Unser Ziel ist ein Tourismus, der auf Natur und Menschen
Rücksicht nimmt. Nicht kurzfristiger Profit, sondern langfristiger
Wert zählt."
Friedl Krönauer, BUND Naturschutz (BN), Leiter des Landarbeitskreises
Alpen:
"Unsere Bergwelt ist ein Geschenk der Schöpfung, sie ist Lebens- und
Rückzugsraum für uns Menschen, aber auch für die Natur. Zudem ist der
gesamte Alpenraum für Millionen Menschen von existenzieller Bedeutung
als Wasserspeicher. Wenn die Bayerische Staatsregierung nun unter dem
Deckmantel des Bürokratieabbaus einen Ausverkauf der Alpen nur für
Partikularinteressen vorantreiben will, verkennt sie die aktuelle
Situation der Alpen angesichts der Klimaerhitzung und der damit
verbundenen Berggefahren. Es ist höchste Zeit für eine Weichenstellung
zu einem nachhaltigen Tourismus im Interesse von Natur, Umwelt und vor
allem der hier lebenden Menschen. Gesellschaft und Politik müssen die
Alpen in ihrer Schönheit und Unverfügtheit als Erholungs- und
Erfahrungsraum für uns, aber insbesondere unsere Kinder und Enkel,
erhalten."
Katharina Schulze, Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag, MdL,
Fraktionsvorsitzende:
"Wenn Bayerns Gipfeln wanken, dann wankt auch das Fundament unserer
Heimat. Die Staatsregierung müsste längst im Alarmmodus sein, doch
stattdessen tut sie immer noch so, als könne man den Klimawandel mit
Nichtstun aussitzen. Wir brauchen endlich entschlossenes Handeln.
Unsere Gletscher sind verloren, aber die Maßnahmen, die wir jetzt in
die Wege leiten, entscheiden darüber, wie lebenswert unser Alpenraum
für uns und kommende Generationen bleibt. Das ist jetzt vielleicht die
letzte Chance, den Schaden noch zu begrenzen - nutzen wir sie."
Max Deisenhofer, Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag, MdL,
Sprecher für Sport:
"Allein seit 2020 hat sich die Jahresmitteltemperatur in den Alpen um
ein Grad erhöht - und das spüren wir ganz gewaltig. Gegen steigende
Temperaturen, Extremwetter und Wasserknappheit können wir nicht
unbeirrt beschneien. Wer die Berge liebt, muss endlich ernst machen
mit dem Klimaschutz."
Christian Hierneis, Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag, MdL,
Sprecher für Umwelt:
"Die einzigartige Natur und die herausragende Artenvielfalt unserer
Alpen stehen massiv unter Druck: Bebauungen, immer neue Skigebiete mit
Seilbahnen und Beschneiungsanlagen und der Klimawandel schränken den
Lebensraum von vielen, mittlerweile oft selten gewordenen Tier- und
Pflanzenarten massiv ein oder verdrängen sie ganz. Wir wollen die
Natur und damit die Schönheit und Attraktivität unserer wunderbaren
Alpen bewahren."
Christian Zwanziger, Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag,
MdL, Sprecher für Tourismus:
"Seit Jahren fordern wir ein Ende der Förderung klimaschädlicher
Beschneiungsanlagen - doch noch immer fließen Steuergelder in
Schneekanonen. Mit der anstehenden Fortschreibung der Richtlinie muss
die Staatsregierung endlich umsteuern und klare Prioritäten für
Klimaschutz, Nachhaltigkeit und naturverträglichen Ganzjahrestourismus
setzen. Kein Steuergeld für Schneekanonen!"
Axel Doering, CIPRA Deutschland, Präsident:
"Rettet die Berge bedeutet: schützt die Alpenbewohner.
Touristenansturm und Klimawandel sind existentielle Herausforderungen.
Deshalb müssen wir die Schutzmechanismen stärken und dürfen nicht
unter dem Vorwand 'Bürokratieabbau' Umweltverträglichkeitsprüfungen
etc. schwächen."
Christine Busch, CIPRA Deutschland, Geschäftsführerin:
"Mit Unterzeichnung der Alpenkonvention haben wir uns zum Schutz und
zur nachhaltigen Entwicklung der Alpen verpflichtet. Mit den aktuellen
politischen Entwicklungen wie dem Modernisierungsgesetz oder der
Seilbahnförderrichtlinie wird die Politik dieser Verpflichtung nicht
gerecht. Der Schutzstatus der Alpen muss erhalten bleiben um weitere
Verluste von Arten und Biotopen zu verhindern und die bereits
eingetretenen Folgen des Klimawandels zu begrenzen."
Prof. Dr. Wilfried Hagg, Glaziologe, Hochschule München:
"Bayern hat in diesem Jahrtausend zwei Drittel seiner Gletscherfläche
verloren. Es ist bereits heute so warm, dass auch das restliche Eis
bald verschwinden wird. Wir sollten uns trotzdem um bestmöglichen
Klimaschutz bemühen, damit weltweit möglichst viele Gletscher erhalten
bleiben und ihre Funktion als Wasserspeicher erfüllen können.
Andernfalls drohen vielerorts niedrige Flusspegel und Überflutungen an
Küsten."
Norbert Schäffer, Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern
(LBV), Vorsitzender:
"Gletscher sind wie ein Fieberthermometer für unseren Planeten. Sie
zeigen uns unmissverständlich die Auswirkungen der Klimakrise an. Wenn
es immer weniger Schneeflächen gibt, geraten spezialisierte Arten wie
das Schneehuhn unter Druck. Sie müssen sich in immer höhere Lagen
zurückziehen, verlieren dabei stetig Lebensraum, und drohen am Ende
ganz zu verschwinden. Der Rückgang der Gletscher ist ein Alarmsignal,
das wir nicht länger ignorieren dürfen."
Gotlind Blechschmidt, Mountain Wilderness Deutschland, Vorständin:
"Gletscher gehören zu den eindrucksvollsten Wildnisgebieten der Erde.
In den Alpen werden sie wie hier an der Zugspitze in den nächsten
Jahrzehnten weitgehend verschwunden sein. So lange wie möglich sollten
sie für die nächsten Generationen erhalten bleiben, damit auch diese
auf ihnen einmalige Wildniserfahrungen sammeln können. Dazu ist neben
dem klimapolitischen Umdenken strikter Gletscherschutz notwendig."
Thomas Müller, Trainer Nordische Kombination, Olympiasieger im Team
1988:
"Die Klimakatastrophe stellt den Wintersport vor enorme
Herausforderungen. Deshalb muss der Spitzensport eine Vorbildfunktion
in Sachen Nachhaltigkeit und ressourcenschonendem Umgang mit der Natur
einnehmen. Der Internationale Skiverband, die FIS, muss da aktiv und
konsequent vorangehen. Tut er das nicht, wird der 'Geruch von
Pulverschnee' nur noch eine vage Erinnerung sein."
Christine Eben, NaturFreunde Bayern e.V., stv. Landesvorsitzende:
"Für uns NaturFreunde sind neben den ökologischen Aspekten die
Auswirkungen der Klimaerwärmung auf den Bergsport und den Tourismus
von zentraler Bedeutung. Das
Abschmelzen der bayrischen Gletscher führt eindringlich vor Augen,
dass der Freistaat Bayern alle seine Möglichkeiten ausschöpfen muss,
um die Alpen als attraktiven Erholungsraum zu erhalten, zum Beispiel
durch eine effektive, zukunftsweisende Förderpolitik."
Tobias Ruff, ÖDP Bayern, Landesvorsitzender:
"Die Berge sind kein Gewerbegebiet und keine Event-Arena! Sie brauchen
gerade in Zeiten des Klimawandels besonderen Schutz!"
Mats Mosel, Protect our Winters (POW) Germany, General Coordinator:
"Die rasante Gletscherschmelze in den Alpen zeigt eindrücklich, wie
sehr sich der menschengemachte Klimawandel direkt vor unserer Haustür
auswirkt. Deshalb setzen wir uns für eine klimagerechte Zukunft auf
einem lebenswerten Planeten mit Outdoor- und Bergsport ein!"
Weitere Informationen:
https://www.gruene-fraktion-bayern.de/presse/pressekonferenzen/
*
Quelle:
Presseinformation, 07.08.2025
Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
Eisvogelweg 1, 91161 Hilpoltstein
Tel.: 09174/4775-80
E-Mail: info@lbv.de
Internet: www.lbv.de
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 8. August 2025
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