Deutscher Naturschutzring (DNR)
Dachverband der deutschen Natur-, Tier- und Umweltschutzorganisationen
e.V.
EU-News - 24.07.2025
Völkerrecht verpflichtet zu Klimaschutz: Bahnbrechendes Gerichtsgutachten
Das welthöchste Gericht, der International Court of Justice in Den Haag, hat am 23. Juli in einem Gutachten bestätigt, dass alle Staaten auf der Grundlage des Völkerrechts dazu verpflichtet sind, Klimaschutz zu betreiben - und dass dies auch einklagbar ist. Umweltverbände begrüßen die "neue Ära der Verantwortung" auch im Hinblick auf die nächste UN-Klimakonferenz.
Mit der Stellungnahme des Internationalen Gerichtshofs (IGH) "hat das welthöchste Gericht [...] eine neue Zeitrechnung im Klimaschutz ausgerufen", freut sich Greenpeace über das bisher größte Verfahren vor der UN-Institution, an dem über 100 Organisationen und Staaten teilgenommen haben.
Germanwatchs Politik-Vorstand Christoph Bals erläutert: "Zum ersten Mal legt das höchste Gericht der Vereinten Nationen dar, dass Staaten völkerrechtlich verpflichtet sind, Klimaschäden global zu verhindern, durch Anpassung einzudämmen und für trotzdem entstehende Schäden aufzukommen - und das nicht nur abstrakt, sondern ganz konkret."
Der IGH bezieht sich dabei auf eine Vielzahl von Dokumenten und völkerrechtlichen Grundlagen:
Das heißt, dass beispielsweise der Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen nicht dazu führen kann, sich aus dieser Verpflichtung zu lösen. Es bedeutet zudem, dass Erklärungen des deutschen Bundeskanzlers zu prozentualen Emissionsausstößen im Vergleich zu anderen Staaten, vor Gericht nicht mehr zählen. Francesca Mascha Klein, Rechtsreferentin bei Germanwatch, erklärt: "Das Bundesverfassungsgericht hat bereits 2021 unmissverständlich klargestellt, dass Deutschland "sich seiner Verantwortung nicht durch den Hinweis auf die Treibhausgasemissionen in anderen Staaten entziehen" kann. Der Hinweis von Bundeskanzler Merz, dass Deutschland aktuell nur für rund zwei Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich sei, zielt deshalb ins Leere."
Die Greenpeace-Expertin für Internationalen Klimaschutz, Sarah Zitterbarth, kommentiert, dass diese Stellungnahme einen "Wendepunkt" darstelle und von "wirklich großer Bedeutung" sei. Damit habe das höchste Gericht der Welt sich nicht nur zum ersten Mal mit der Klimakrise befasst, sondern festgestellt, "dass Klimaschutz für die Wahrung der Menschenrechte unabdingbar ist und dass das Recht auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt eine Grundvoraussetzung für alle anderen Menschenrechte ist". Der IGH habe außerdem bekräftigt, dass alle Staaten der Welt dem 1,5 Grad-Limit verpflichtet sind und "alles in ihrer Macht stehende" tun müssen, um dieses Ziel in Reichweite zu halten. "Das ist wirklich bahnbrechend, historisch und richtungsweisend" und läute eine "neue Ära der Verantwortung und Rechenschaftspflicht für Regierungen und Unternehmen ein".
Damit schaffe die Stellungnahme nun endlich rechtliche Klarheit über
die Klimaschutz-Verpflichtungen der Staaten nach internationalem
Recht. Angesichts der sich verschärfenden Auswirkungen der Klimakrise
und mit Blick auf die bevorstehende Klimakonferenz (COP30) in
Brasilien komme die Entscheidung des IGH zu einem wichtigen Zeitpunkt,
so Greenpeace. [jg]
International Court of Justice: Obligations of States in respect of
Climate Change
https://www.icj-cij.org/sites/default/files/case-related/187/187-20250723-sum-01-00-en.pdf
Germanwatch: Völkerrecht verpflichtet: Internationaler Gerichtshof
verlangt Übernahme von Verantwortung für Klimaschutz und Schäden
https://www.germanwatch.org/de/93215
Greenpeace: Historische IGH-Stellungnahme: Alle sind zum Klimaschutz
verpflichtet
https://www.greenpeace.de/klimaschutz/klimakrise/igh-zum-klimawandel
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Quelle:
EU-News, 24.07.2025
Deutscher Naturschutzring
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und Umweltschutzverbände e.V. (DNR) e.V.
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veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 25. Juli 2025
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