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KLIMA/301: Dürre in den USA - Niedrigere globale Ernteprognose (SB)


Regional schwerste Dürre in den USA seit Beginn der Klimamessungen

US-Landwirtschaftsministerium senkt Prognose für globale Grobgetreideproduktion


In manchen Regionen der USA, dem größten Getreideexporteur der Welt, kam es in diesem Jahr zu einer Dürre, wie sie in den letzten hundert Jahren nicht erlebt wurde. Ende September herrschten auf 43 Prozent der zusammenhängenden US-Landfläche (ohne die Inseln, Alaska, etc.) eine moderate bis extreme Dürre, berichtete AP unter Berufung auf jüngste Angaben des National Climate Data Center. 26 Prozent werden sogar als "außergewöhnliche" Dürre - der höchsten Kategorie des National Weather Service - bezeichnet.

In Georgia und Alabama ging die Niederschlagsmenge bereits Anfang 2006 drastisch zurück. Und waren im Sommer 2007 vor allem der Westen und Südosten der USA von Trockenheit betroffen, so hielt diese im September an der gesamten Atlantikküste bis hinauf nach Maine Einzug. Selbst im Bundesstaat Florida, der eigentlich immer mit Mangrovenwäldern und wasserreichen Sumpflandschaften verknüpft wird, hat es in diesem Jahr schon Waldbrände gegeben. Hier nahm die Trockenheit im September sogar noch zu. Lediglich der Süden und Südosten Floridas blieben verschont.

Die Bundesstaaten North Carolina und Tennessee - dort mußte ein Kernkraftwerk wegen Wassermangels abgestellt werden - erleben die schwerste Dürre seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen. Gleiches gilt für Pasadena, Kalifornien. Dort wurde am 25. September das trockenste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 1878 registriert. "It never rains in Southern California" lautet der Titel eines berühmten Songs von Albert Hammond aus dem Jahr 1972. Das Lied würde heute nicht mehr gut ankommen, denn es regnet auch in Nordkalifornien und anderen Bundesstaaten viel zu wenig. Die Behörden zahlreicher Städte und Gemeinden haben Verordnungen zum sparsamen Gebrauch des Wassers erlassen.

In Maryland und Pennsylvania wurde Dürrewarnung für die Hälfte der Bezirke ausgesprochen. Im Umland von New York weisen die Wasserreservoire Niedrigststände auf; die Brunnen vieler Farmen sind ausgetrocknet. Die Großen Seen Nordamerikas, die immerhin rund 20 Prozent des weltweiten oberflächlichen Süßwassers enthalten, schrumpfen. Anwohner des Huronen- und des Michigansees berichten von Problemen, wie sie sie noch nicht erlebt haben und allenfalls aus dem Fernsehen vom Aral- oder Tschadsee her kennen: der See schrumpft, Bootsanleger enden im Matsch, und vom freigelegten ehemaligen Seeboden steigen üble Gerüche auf.

Der Pegelstand der beiden Seen liegt um 60 Zentimeter unter dem langfristigen Durchschnittswert, der des Oberen Sees ist 50 Zentimeter, des Ontariosees 17 Zentimeter und der des Eriesee, bei dem seit Ende der neunziger Jahre zunächst ein gegenläufiger Trend beobachtet wurde, ist inzwischen um mehrere Zentimeter gesunken.

Im nördlichen Drittel Georgias wurde Dürrestufe 4 ausgerufen, was bedeutet, daß der Wassergebrauch außerhalb des Hauses (Rasen sprengen, Auto waschen, etc.) verboten ist. Der Laniersee, der drei Millionen Einwohnern, unter anderem der Stadt Atlanta, als Trinkwasserreservoir dient, ist nur noch eine Art Teich und wird bei anhaltender Dürre innerhalb von 90 Tagen austrocknen. Experten diskutieren bereits darüber, zusätzlich den Wasserverbrauch innerhalb des Hauses zu reduzieren.

Die Dürre in den USA folgt einem weltweiten Trend zu mehr Extremen. Während über weite Teile Afrikas gegenwärtig eine Regenfront nach der nächsten zieht, Menschen ertrinken, Straßen und Brücken weggeschwemmt und die Ernten vernichtet werden, befinden sich abgesehen von Nordamerika auch einige Regionen Chinas und Australiens im Griff der Trockenheit. Dort kommt es ebenfalls zu Ernteverlusten, wenngleich aus gegenteiligen Gründen als in Afrika. Das Jahr 2007 ist das wärmste jemals gemessene Jahr bezogen auf die Landfläche und das siebtwärmste bezogen auf die Ozeane, was zusammen das viertwärmste Jahr ergibt.

Ob Überschwemmungen oder Dürre, in einem gleichen sich die beiden Extreme: Die Ernten werden vernichtet. Das Landwirtschaftsministerium der USA hat auch aufgrund der globalen Klimaentwicklung seine jüngste Schätzung für die weltweite Grobgetreideernte nach unten korrigiert. Wie die Internetseite raiffeisen.com unter Berufung auf Dow Jones meldete (12.10.2007), wurde die zu erwartende globale Ernte um 8,5 Mio. Tonnen auf nunmehr 1,053 Mrd. Tonnen gesenkt. Fast die Hälfte (4 Mio t) ergibt sich aus Ernteverlusten im Maisanbau von China, dem eine Erntemenge von 143 Mio. Tonnen prognostiziert wird. Weitere Verluste werden für Australien (bei Gerste und Hafer um 2,3 Mio t), Brasilien (1 Mio t auf 52,9 Mio t), die EU (1,1 Mio t auf 133,9 Mio t) und Rußland vorausgesagt. Die Europäische Union, so wird vermutet, werde wegen der knappen Weizenvorräte und des steigenden Futterbedarfs 13,3 Mio. Tonnen Grobgetreide importieren.

Es stellt sich allerdings die Frage, woher das Getreide stammen soll. Die Börsenexperten rechnen zwar mit einem Exportzuwachs der USA beim Grobgetreide auf 66,9 Mio t - im Vormonat lag die Schätzung noch 3,6 Mio. t niedriger -, aber zugleich berichtet raiffeisen.com, daß vor allem in den USA deutlich weniger Mais und Hirse verfüttert würden. Der weltweite Verbrauch von Grobgetreidearten werde 2007/08 um voraussichtlich 7,6 Mio t auf 1,0527 Mrd t sinken, hieß es. Was kein Thema des Berichts war: Grobgetreide wird zu Biotreibstoff verarbeitet und damit der Futterindustrie entzogen. Die USA und EU subventionieren die Verwendung von Mais und anderem Grobgetreide sowie Ölsaaten zum Zweck der Ethanol- und Biodieselproduktion.

Die aktuelle Dürre in den USA wird absehbar zu weiteren Preiserhöhungen auf den Weltgetreidemärkten und dürfte in der Kette der sich gegenseitig bedingenden Vorgänge zu einem Anstieg des Hungers und der Unterernährung zunächst in Entwicklungsländern, später auch Industriestaaten führen.

19. Oktober 2007



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