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KLIMA/341: Grüner Tarnanstrich fürs Militär (SB)


Die Bedeutung von Militärorganisationen zum Schutz des Klimas

Eine Konferenz in Paris dient dem Militär als Feigenblatt seiner umweltzerstörenden Machenschaften in Friedens- wie in Kriegszeiten


In der Öffentlichkeit wird allgemein wenig zur Kenntnis genommen, daß das Militär danach strebt, sich einen grünen Anstrich zu verleihen. Gewissermaßen handelt es sich um das legitimatorische Öko-Äquivalent zu den Farben, mit deren Hilfe der Soldat eine Verschmelzung mit der Natur anstrebt. Aber das ist, wie man weiß, nur Tarnung von etwas, das genau nicht in die Natur paßt - ansonsten bedürfte es keiner Verhüllung.

Militärische Aktivitäten sind per se destruktiv. Sie zielen auf die Zerstörung von Mensch und Umwelt, wie der Schattenblick kürzlich am Beispiel von Gesprächen zwischen Vertretern der Weltnaturschutzunion (IUCN) und Militärs analysiert hat (siehe Index KLIMA/340). Genfer Konventionen, in denen die Vernichtung der Umwelt als Kriegsverbrechen deklariert werden, werden von den Streitkräften regelmäßig ignoriert. Das haben unter anderem die Angriffe der USA und anderer NATO-Staaten auf Jugoslawien, Afghanistan und Irak bewiesen.

Gegenüber der vernichtenden Gewalt, die allein schon der Unterhalt des US-amerikanischen Militärapparats auf die endlichen Ressourcen der Erde ausübt und mit der die Atmosphäre zu einem kostenfreien, unkontrollierten Endlager für Kohlendioxidemissionen degradiert wird - das US-Militär verbraucht in einem Jahr so viel Treibstoff wie ganz Schweden - geraten partielle Bemühungen von Streitkräften, die Ozonschicht zu schützen, weniger Treibhausgase zu emittieren oder uranhaltige Munition durch Wolframgeschosse zu ersetzen, zu einem zynischen Schaustück.

Vom 3. bis 5. November wird in Paris eine Konferenz abgehalten, auf der die Teilnehmer beraten wollen, was das Militär tun kann, um weniger Treibhausgasemissionen zu erzeugen [1]. Eingeladen hat das Institute for Governance & Sustainable Development (IGSD) in Zusammenarbeit mit dem US-Verteidigungsministerium, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), dem Institute for Environmental Security, der US-Umweltschutzbehörde (EPA), der OSZE, dem Institute for Defence Analysis und der ENVSEC Initiative. Die Leitung des Workshops übernimmt Stephen Andersen von der EPA. Er hatte einst fünf Konferenzen und im Februar 2001 einen abschließenden Workshop zur Umsetzung des Montrealer Protokolls zum Schutz der Ozonschicht durch das US-Militär mitorganisiert.

An der bevorstehenden Konferenz werden Regierungsmitglieder, Parlamentarier und Personen aus dem breiten Spektrum der Verbände und Nichtregierungsorganisationen teilnehmen. Der Workshop gilt als Vorbereitung eines Treffens des EU Member States Defence Environmental Network (DEFNET) vom 6. bis zum 7. November.

Vor dem Hintergrund der enormen Dringlichkeit wirksamer Klimaschutzmaßnahmen, die angesichts der gegenwärtig raschen Erwärmung der Arktis und anderer Weltregionen geboten sind, könnte argumentiert werden, daß auf Klimaschutzmaßnahmen seitens des Militärs nicht verzichtet werden sollte. Schließlich sei es egal, an welcher Stelle Treibhausgasemissionen reduziert werden, entscheidend sei, daß es überhaupt geschieht.

Bei diesem Standpunkt, so nachvollziehbar er auf den ersten Blick auch scheint, wird die Existenzberechtigung der Militärapparate weltweit als quasi naturgegeben akzeptiert. Das muß jedoch nicht sein. Es gibt durchaus parlamentarische und außerparlamentarische Bestrebungen, Militärapparate zu verkleinern. Auf dem Weg zu ihrer restlosen Abschaffung wären sie dann nicht mehr in der Lage, Angriffskriege am Hindukusch und anderen fernen Weltregionen durchzuführen. Einen besseren Beitrag zum Klimaschutz kann Militär nicht leisten, als daß es sich selbst abschafft.

Gleichzeitig würde dadurch ein höheres Maß an Sicherheit geschaffen - gegenläufig zum aktuellen Trend der allgemeinen Aufrüstung. Alles deutet darauf hin, daß dieser auf Ressourcensicherungs- und Weltordnungskriege bislang unerreichten Ausmaßes hinausläuft. Umweltschutzfragen sind jedoch das Allerletzte, das Soldaten auf dem Gefechtsfeld oder Kriegsstrategen an ihren Schreibtischen interessiert.


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Anmerkungen:

[1] http://www.envirosecurity.org/news/

20. Oktober 2008



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