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KLIMA/350: Australische Geheimstudie zu Klimawandel und Konflikten (SB)


"Climate Change, The Environment, Resources And Conflict"

Australien steckt seine Ansprüche zur künftigen Ressourcensicherung ab


Die Regierungen vermutlich aller führenden Wirtschaftsnationen bereiten sich auf die Folgen des Klimawandels vor. Wollen sie Führungsnationen bleiben, müssen sie das zu erwartende Heer an Menschen, die aus klimabedingten Gründen in Not geraten werden, vom eigenen Territorium und aus der eigenen Wirtschaftssphäre heraushalten. Verkappt wird diese Absicht hinter wachsweichen Formulierungen wie, daß es im Kampf gegen den Klimawandel "gemeinsamer Anstrengungen" der Menschheit bedarf, daß die Lasten gleichmäßig verteilt werden müssen, etc.

Die Abwehr der Flüchtlingsströme an der technisch hochgerüsteten Südgrenze der USA, im Süden und Osten der EU, die Bildung von Flüchtlingslagern in den südlichen Mittelmeeranrainerstaaten oder auch die strikten Einreisebestimmungen von Ländern wie Kanada und Australien sind allesamt Teil solcher Abwehrbemühungen. Die hat es zwar schon zu einer Zeit gegeben, als das Wort Klimawandel nur zwischen Experten ausgetauscht wurde und diese mehrheitlich eine Eis- und nicht eine Warmzeit heraufziehen sahen, aber in den letzten Jahren beherrscht das Thema Klimawandel und seine Folgen auf die Weltgesellschaft zahlreiche Analysen von Militärs, Geheimdienstlern und Regierungsberatern.

Das gilt auch für Australien. Die Zeitung "Sydney Morning Herald" [1] berichtete am 7. Januar, sie habe Einblick in die Zusammenfassung eines Berichts mit dem Titel "Climate Change, The Environment, Resources And Conflict" der Strategic Policy Division des australischen Verteidigungsministeriums erhalten. Der oder die Autoren warnen in dem insgesamt zwölfseitigen, im November 2007 erstellten Papier, daß der Klimawandel zu Verschiebungen der Fischgründe im Pazifik führen könnte. Dies würde womöglich zum vermehrten illegalen Fischfang in nordaustralischen Gewässern führen. "Das könnte den Bedarf an ADF-Patrouillen in der Region wachsen lassen", heißt es. Darüber hinaus wird angenommen, daß "Umweltveränderungen die bestehenden Sorgen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Land, der wirtschaftlichen Entwicklung und der Kontrolle über Ressourcen verstärken werden".

Der Anstieg des Meeresspiegels werde Staaten und Inseln mit flachen Küstenstreifen auf der ganzen Welt bedrohen. Umweltstreß, ausgelöst sowohl durch den Klimawandel als auch eine Reihe anderer Faktoren, werde sich in fragilen Staaten rund um den Globus als Bedrohungsvervielfältiger zeigen und die Möglichkeit, daß Staaten scheitern, zunehmen lassen. Dadurch würden sehr wahrscheinlich Forderungen zur Entsendung der ADF zur zusätzlichen Stabilisierung, zum Wiederaufbau nach Konflikten und Katastrophenhilfe laut.

In dem Report wird erwartet, daß sich die Zahl der Flüchtlinge von den Pazifikinseln erhöhen wird, aber nicht besonders viele Menschen Australien erreichen werden. Aus der Sicht der Verteidigungsplanung wisse man nicht, wie schnell die Klimaveränderungen eintreten, wie genau sie sich auswirken und wie Staaten oder Gemeinschaften damit umgehen, heißt es in der Analyse. Und weiter: "Ungeachtet dessen dürfte der Klimawandel die Sicherheit betreffen, weil er den Druck auf zerbrechliche Staaten, die Konkurrenz zwischen Staat und Gesellschaft um Ressourcen, Umweltgefahren für die ADF-Infrastruktur vermehren und die Häufigkeit und Intensität von Extremwetterereignissen wachsen läßt."

Die Botschaft, daß der Klimawandel die gewohnten Lebensverhältnisse und den relativen Wohlstand in Australien gefährden wird, ist angekommen. Im Dezember erklärte der sozialdemokratische Premierminister Kevin Rudd, der einst als Hoffnungsträger der Klimaschützer galt, weil er, kaum im Amt, schnurstracks das Kyoto-Protokoll ratifiziert hat, bei einer Stellungnahme zur nationalen Sicherheit, daß der Klimawandel eine "fundamentale" Herausforderung darstelle.

Zu welchen konkreten Maßnahmen in dem Bericht geraten wird, ist nicht zu erfahren, denn das Papier bleibe geheim, schrieb die australische Zeitung. Die Analyse wurde damals Staatssekretär Michael Pezzullo, Leiter der Strategic Policy Division übergeben. Heute obliegt ihm die Aufgabe, das Weißbuch des Verteidigungsministeriums vorzubereiten. Man kann deshalb annehmen, daß dem Klimawandel darin eine besondere Bedeutung zukommt. Der "Sydney Morning Herald" schrieb nun, daß die zwölfseitige Analyse nicht in voller Länge veröffentlicht werden sollte, weil dies die "Verteidigungsfähigkeit Australiens und die internationalen Beziehungen beschädigen" könnte.

Somit bleibt es der Spekulation überlassen, ob und in welchem Ausmaß Australien willens ist, beispielswiese Flüchtlinge von überschwemmten Pazifikatollen aufzunehmen oder Fischgründe des Pazifiks mit den bevölkerungsreichen Ländern Südostasiens zu teilen.


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Anmerkung:

[1] http://www.smh.com.au/articles/2009/01/06/1231004021036.html

8. Januar 2009



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