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KLIMA/352: Schwindende CO2-Absorptionsfähigkeit des Meeres (SB)


Japan-Meer nimmt deutlich weniger CO2 auf

Überraschende Meßergebnisse einer koreanisch-russischen Forschergruppe


Unter der weit verbreiteten Annahme, daß die anthropogenen Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) entscheidend für den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur sind, kommt einer Studie vom vergangenen Dezember über die CO2-Absorptionsfähigkeit des Meeres eine besondere Bedeutung zu. Forscher haben in einem Untersuchungsgebiet im Japan-Meer einen überraschend deutlichen Zusammenbruch der CO2-Aufnahme festgestellt, wie die britische Zeitung "The Guardian" diese Woche Montag in Erinnerung brachte. [1]

Sollte der gleiche Effekt nun auch in anderen Meeren nachgewiesen werden, müßte die Menschheit von weitreichenden Konsequenzen für die künftige Klimaentwicklung des Planeten ausgehen. Dann wären selbst die jüngsten, alarmierenden Studien, angefangen von dramatischen Methan-Freisetzungen in Sibirien bis zum milliardenfachen Hunger als Folge der Unbewohnbarkeit der Tropen und Subtropen, noch als harmlos verglichen mit den tatsächlichen Veränderungen zu bezeichnen. Erdgeschichtlich gesehen wäre es jedenfalls nicht das erste Mal, daß eine dominante Spezies wieder in den Hintergrund tritt, fortan nur noch eine ökologische Nischenexistenz fristet oder ausstirbt. Ob die Menschheit diesen Weg einschlägt oder nicht, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, ob es ihr gelingt, geschlossen Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen.

Die Weltmeere absorbieren jährlich rund elf Milliarden Tonnen von Menschen erzeugtes Kohlendioxid, das macht einen Anteil von 25 Prozent dieses anthropogenen Treibhausgases aus. Es läßt sich leicht ausmalen, daß ein Verlust der Eigenschaft der Meere als Kohlenstoffsenke die menschlichen Bemühungen zur Senkung der Treibhausgasemissionen weitgehend zunichte machen würde.

In der Vergangenheit hat es bereits Warnungen seitens Klimaforschern gegeben, daß mit der Erwärmung der Weltmeere die CO2-Aufnahmefähigkeit sinken wird. Doch bislang lagen noch keine konkreten und derart folgenschweren Erkenntnisse vor, wie sie Kitack Lee und Geun-Ha Park von der Pohang Universität für Wissenschaft und Technologie in Südkorea und Pavel Tishchenko vom Russischen Pazifischen Ozeanologischen Institut in Wladiwostok im Dezember 2008 vorgelegt haben. [2]

Wärmere Meere sind deutlicher geschichtet. In ihnen findet weniger Austausch zwischen oberflächlichen und bodennahen Schichten statt. Das bedeutet, daß, wenn die obersten Meeresschichten mit CO2, das aus der Atmosphäre aufgenommen wird, gesättigt sind, das Treibhausgas nicht mittels Umwälzungen in größere Meerestiefen verfrachtet wird und umgekehrt weniger CO2-aufnahmefähiges Wasser an die Oberfläche gelangt.

Die Wissenschaftler hatten im Mai 2008 das Japan-Meer [3] mit dem russischen Forschungsschiff "Professor Gagarinskiy" befahren und Wasserproben an 24 Stellen genommen. Dann maßen sie die CO2-Konzentration und verglichen sie mit denen aus Proben, die Forscher 1992 und 1999 gesammelt hatten. In den "Geophysical Research Letters" schrieben die Forscher, daß überraschenderweise fast die gesamte Aufnahme von anthropogenen Kohlendioxid der jüngsten Zeit an die oberste Meeresschicht von 300 Metern gebunden war. Die Forscher führen dies auf eine Abschwächung der Zirkulation zurück. Ob diese auch in anderen Meeresgebieten auftritt, wäre Gegenstand weiterer Untersuchungen. Ebenso wie die Frage, welche Bedeutung eine mangelnde Umwälzung für die umstrittenen Versuche zur Eisendüngung, wie sie mit dem Forschungsschiff "Polarstern" durchgeführt werden sollen, hat.


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Anmerkungen:

[1] http://www.guardian.co.uk/environment/2009/jan/12/sea-co2-climate -japan-environment

[2] Park, G.-H., K. Lee, und P. Tishchenko (2008): "Sudden, considerable reduction in recent uptake of anthropogenic CO2 by the East/Japan Sea", Geophys. Res. Lett., 35, L23611, doi:10.1029/2008GL036118.

[3] Die Koreaner bezeichnen in dem Fachartikel das Japan-Meer auch als "Östliches Meer", um auf den militärischen Expansionismus Japans, der in der ursprünglichen geographischen Zuordnung transportiert wird, aufmerksam zu machen.

16. Januar 2009



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