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KLIMA/376: Delinquente Dicke? Sündenböcke für Erderwärmung gefunden (SB)


Jonathan Porritt - Wegbereiter des bevorstehenden Mangelregimes

Britischer "Umwelt-Guru" bezichtigt Dicke der Klimaschädlichkeit


Der Dezember rückt näher. Ein Datum von womöglich menschheitsgeschichtlicher Bedeutung. Denn dann wollen sich die Unterzeichner des Kyoto-Protokolls auf ein Nachfolgeprogramm einigen, bei dem bis 2020 erweiterte Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden. In vielem ist sich die internationale Staatengemeinschaft nicht einig, doch in der Frage der Schuld herrscht offenbar breiter Konsens vor. Das Individuum ist schuld. Genauer: Die Dicken sind es.

Sie müssen als Sündenböcke herhalten für die Industriegesellschaften, die immer mehr Bereiche des Lebens in tiefe Abhängigkeit vom Brand der Hochöfen gebracht haben. Die Informationsgesellschaft hat diese Entwicklung nicht etwa umgekehrt, sondern noch forciert. Mit einer einzigen Google-Anfrage wird soviel Energie verbraucht wie beim Erwärmen einer Tasse Tee. Zudem wird den Menschen, die längst als "Konsumenten" und "Verbraucher" definiert werden, eine hohe Mobilität abverlangt, damit sie sowohl zu den Orten der Produktion gelangen, an denen jene Vehikel der Mobilität hergestellt werden, als auch den Orten der notwendigen Regeneration innerhalb der Produktionsverhältnisse.

Seit dem Beginn des Industriezeitalters steigt die globale Durchschnittstemperatur an; weitgehend parallel dazu verläuft der Anstieg der den Treibhauseffekt erzeugenden Verbrennungsgase in der Atmosphäre. Die allgemeine Gewichtszunahme unter den Menschen setzte dagegen um vieles später ein. Das bekümmert die Propheten des kommenden Klimaschutzregimes jedoch nicht, wie das Beispiel von Sir Jonathan Porritt, führender Umweltberater der britischen Regierung und Vorsitzender der im Jahr 2000 eingerichteten Kommission für Nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Commission) unter Beweis stellte. In einem Interview mit der britischen Zeitung "The Telegraph" erklärte er, daß "Fett ein Thema des Klimawandels" ist. Übergewichtige Menschen äßen mehr eiweißhaltige Speisen wie Rindfleisch oder Lamm, wodurch größere Mengen des Treibhausgases Methan emittiert würden. Außerdem würden fettleibige Menschen eher mit dem Auto fahren, als zu Fuß zu gehen oder sich aufs Fahrrad zu setzen, und somit mehr Treibhausgase produzieren, kolportierte der Gründer der britischen Umweltschutzorganisation Friends of the Earth und ehemaliges Mitglied der Green Party ein typisches Diffamierungsargument.

Porritt will es sich anscheinend leicht machen, indem er sich bei der Suche nach einer Antwort auf den Klimawandel an eine Kampagne hängt, die vor ihm schon Institutionen wie die Weltgesundheitsorganisation und Personen wie Rajendra Pachauri, Vorsitzender des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), losgetreten haben.

Die Berechnung des individuellen Kohlendioxid-Fußabdrucks, bei der beleibte Menschen tendenziell schlechter abschneiden als Magerhaken, geht einher mit dem Zählen von Kalorien, und so wie erstere bereits bei Flugreisen oder hinsichtlich ihrer Krankenversicherung für ihre Körperlichkeit bestraft werden, mündet das Kalorienzählen unvermeidlich in administrative Zuteilungsformen. Denn schon heute leiden rund eine Milliarde Menschen regelmäßig Hunger. Prognosen zufolge wird der Nahrungsbedarf der gesamten Menschheit im Jahr 2050 doppelt so hoch sein wie heute. Da die potentielle Landfläche zum Anbau von Getreide nahezu ausgeschöpft ist und die Grüne Gentechnik nicht gehalten hat, was sie verspricht, kann mit keiner nennenswerten Ertragssteigerung gerechnet werden. Zudem sind die Meere leergefischt, und Erdöl und Erdgas, die einst wesentlich zum Erfolg der Grünen Revolution beigetragen haben, werden knapper und können nicht noch einmal auf den Plan gerufen werden. Nach heutigem Erkenntnisstand wird das Jahr 2050 eine Zeit des Mangels sein, und der wird sich nicht auf die Entwicklungsländer beschränken.

Zur ideologischen Einstimmung der Menschheit auf das Jahrhundert des Mangels richten sich schon heute die Zielfernrohre auf die Dicken, denen a priori schuldhaftes Verhalten unterstellt wird. Porritts Vergleich, demzufolge Dicke mehr Proteine essen und mehr Auto fahren, bildet eine entscheidende Voraussetzung für das zu generierende Mangelregime.

Da die Anhänger des Green New Deal mit ihrem systemerhaltenden Ansatz des grünen Kapitalismus, bei dem unter anderem Kohlendioxid-Verschmutzungsrechte gehandelt werden, absehbar scheitern dürften und der Klimawandel weiter voranschreitet, sind sie vermutlich besonders anfällig für Vorschläge des administrativen Kalorienzählens, durch das Dicke zum körperlichen Abbau gezwungen werden, da sie nicht genügend Nahrung erhalten. Schon heute gibt es nicht genügend Nahrung für alle Menschen. In Zukunft wird die Diskrepanz zwischen Bedarf und Angebot noch deutlicher hervortreten, und es werden heute schon die Weichen gestellt, um morgen Menschen nach zuerkannter Bedürftigkeit einteilen zu können.


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Anmerkungen:

[1] "Fat people causing climate change, says Sir Jonathan Porritt", The Telegraph, 3. Juni 2009
http://www.telegraph.co.uk/earth/environment/climatechange/5436335/ Fat-people-causing-climate-change-says-Sir-Jonathan-Porritt.html

3. Juni 2009



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