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KLIMA/381: Ausbreitung der Tropen - Wohlstandsregionen grenzen sich ab (SB)


Neue australische Klimastudie

Die Ausbreitung der Tropen schiebt die trockenen Subtropen in dicht besiedelte Regionen der Erde


Angesichts der heraufziehenden weltweiten Klimaumkehr namens El-Niño, deren extremen Begleiterscheinungen wie Dürre und Überschwemmungen im Laufe dieses und Anfang nächsten Jahres zunehmen werden, sowie der globalen Wirtschaftskrise, deren Folgen ebenfalls im nächsten Jahr verstärkt zum Tragen kommen, wirken langfristige Klimaprognosen unbedeutend, da scheinbar weniger dringlich. Allerdings mehren sich die Berichte von Wissenschaftlern, wonach im Laufe dieses Jahrhunderts umfangreiche Verschiebungen der Klimazonen auftreten werden - selbstredend, daß dies fast immer mit schwerwiegenden negativen Folgen für die Menschen einhergehen wird. So berichteten australische Forscher diese Woche laut AFP [1] über die "rasche" Ausdehnung der Tropen auf der ganzen Welt. Hierdurch würden Krankheiten und Dürre in besonders dicht besiedelten Gebieten Einzug halten.

Die Forscher der James Cook Universität haben 70 frühere Studien ausgewertet und festgestellt, daß sich die tropische Zone in den letzten 25 Jahren um bis zu 500 Kilometer verbreitert hat. Ausgewertet wurden satellitengenerierte Meßreihen, Daten von Wetterballonen und ozeanographischen Messungen. Zudem fanden Computersimulationen Eingang in die Berechnungen.

Die Ausdehnung der Tropen hat zur Folge, daß sich wiederum die Subtropen verschieben, und das betrifft selbst das klimatisch begünstigte Europa unmittelbar. Laut Prof. Steve Turton wurde die subtropische aride Zone in zuvor gemäßigtere Breiten hineingeschoben, was potentiell verheerende Folgen habe. Betroffen sind Südaustralien, das südliche Afrika, der europäische Mittelmeerraum, der Mittlere Osten, der Südwesten der USA, Nordmexiko und das südliche Südamerika. Ihnen allen stehen schwere Dürren bevor, prognostiziert Turton. Kein Gegenstand der Untersuchung war, daß das Auftauen des Permafrostbodens in der Arktis ebenfalls die Verschiebung einer Klimazone, nämlich der gemäßigten Breiten nach Norden, anzeigt.

Schon vor Jahren haben Wissenschaftler vorausgesagt, daß sich die Klimazonen verschieben und gänzlich neue Zonen entstehen werden. Was in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch noch nicht angekommen zu sein scheint: Der Vorgang findet längst statt. Der von den australischen Forschern untersuchte Zeitraum von 25 Jahren ist geologisch gesehen unbedeutend, woraus folgt, daß die klimatischen Veränderungen rasend schnell vonstatten gehen.

Die Forscher warnen vor der Ausbreitung von tropischen Krankheiten wie Denguefieber in bislang davon unbetroffenen Regionen. Darüber hinaus wird die subtropische Dürre zu empfindlichen Ernteeinbußen und einem erhöhten Hungerrisiko, einem Verlust der Artenvielfalt und generellem Wassermangel führen, wobei sich die Einzeleffekte gegenseitig verstärken werden.

Wie werden die wirtschaftlich und klimatisch privilegierten Weltregionen darauf reagieren? Wird die Europäische Union, die die Grenzschutzbehörde Frontex gegründet hat und sie jedes Jahr mit umfangreicheren Mitteln ausstattet, ihre Grenzbestigungen durchlässiger machen und Klimaflüchtlinge aus Afrika aufnehmen? Haben die USA mehrere Milliarden Dollar für den Ausbau eines Grenzbestigungsstreifen zu Mexiko veranschlagt, weil sie vorhaben, die Grenze zu öffnen, sobald das Klima noch unerträglicher wird, als es ohnehin schon ist? Sollte Australien seine restriktiven Einwanderungsbestimmungen plötzlich lockern und in Not geratene Einwohner Südostasiens und der südpazifischen Inseln aufnehmen?

Der Klimawandel wird die Konflikte in der Welt verstärken, schrieben im vergangenen Jahr der EU-Außenbeauftragte Javier Solana und die EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner. Der bisherige Umgang von Politikern mit der Erderwärmung läuft anscheinend auch auf eine Verstärkung der Abgrenzungsbemühungen der relativen Wohlstandsräume gegenüber den klimatisch benachteiligten Regionen hinaus.


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Anmerkungen:

[1] Tropics expanding due to climate change: study, 6. Juli 2009
http://news.yahoo.com/s/afp/20090706/sc_afp/ scienceclimatewarmingaustraliatropics

6. Juli 2009



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