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KLIMA/413: Dürre in Australien - Katastrophenalarm wegen Brandgefahr (SB)


Monatelange Dürre im Süden Australiens

Extreme Waldbrandgefahr löst in South Australia Katastrophenalarm aus


In Hollywood-Filmen bricht der Klimawandel schon mal schlagartig über die Menschheit herein. In der Nicht-Filmwelt, gemeinhin Realität genannt, rechnen Wissenschaftler eher in erdgeschichtlichen Zeiträumen. Zumindest galt das noch vor einigen Jahrzehnten. Inzwischen mehren sich die Berichte aus verschiedenen Weltregionen, wonach sich die klimatischen Verhältnisse schneller und stärker verändern als von Experten vermutet. So wird seit Beginn dieses Jahrzehnts aus mehreren Landesteilen Australiens Dürre gemeldet - die Aussies sprechen bereits von der "Jahrhundertdürre". Vielleicht wollen sie damit eine Beschwörung aussprechen, daß die Trockenheit nicht noch weiter zunehmen möge, eine Hoffnung, welche die australische Forschungsorganisation CSIRO ihnen allerdings schon vor einigen Jahren genommen hat. Denn die Wissenschaftler erklärten, daß das Land künftig alle zwei Jahre eine schwere Dürre erleben wird, sollte der gegenwärtige Trend der Erderwärmung anhalten.

Und das tut er. Menge und Konzentration an Treibhausgasemissionen, die nach wissenschaftlichem Stand der Hauptfaktor der Erderwärmung sind, steigen kräftig an. Die Folgen bekommt Australien zu spüren. Am Mittwoch haben die Behörden des Bundesstaates South Australia erstmals seit Einführung des Feuer-Frühwarnsystems in diesem Jahr Katastrophenalarm aufgrund der akuten Gefahr von Wald- und Buschbränden ausgerufen.

South Australia ist zundertrocken, es wehen stürmische, trockene Winde, die Temperaturen in der Bundeshauptstadt Adelaide, die an der Südküste des Kontinents liegt, stiegen diese Woche auf 43 Grad Celsius, und die Meteorologen kündigen trockene Gewitterstürme mit vermehrten Blitzaktivitäten an - ideale Bedingungen, um die Vegetation in Brand zu stecken und das Feuer rasch voranzutreiben. Am Tag, als der Katastrophenalarm ausgerufen wurde, wurden in dem Bundesstaat fünf Grasbrände registriert; der größte von ihnen nahm eine Fläche von 20 Hektar ein.

Aufgrund des Alarms bleiben elf Schulen unter anderem in den Bezirken West Coast und Eastern Eyre Peninsula geschlossen. Die Einwohner sind aufgerufen, vorsorglich die am stärksten gefährdeten Regionen zu evakuieren. Darüber hinaus wird den Farmern abgeraten, aufs Land zu fahren und das erntereife Getreide einzuholen, da jederzeit ein Feuer ausbrechen kann. Als im Februar dieses Jahres im australischen Bundesstaat Victoria 173 Einwohner Opfer von Feuersbrünsten wurden, rasten 20 Meter hohe Flammenwände übers Land. Die Menschen hatten keine Chance, dem Feuer zu entkommen, geschweige denn sich und ihre Farmen durch Bewässern zu schützen. Mehr als 2000 Häuser brannten ab.

In Port Augusta stieg das Thermometer diese Woche sogar auf 45,3 Grad Celsius. Noch nie zuvor war es in dieser Stadt im Monat November so heiß gewesen. Die Windgeschwindigkeit nahm bis auf 70 Stundenkilometer zu, die Luftfeuchtigkeit betrug nur sieben Prozent. In den letzten drei Monaten hat es in Südaustralien so wenig geregnet, daß vielerorts das Obst, Gemüse und Getreide kaum gewachsen ist. Die Ananas-Ernte dürfte nahezu komplett ausfallen.

Australien steht die heiße Jahreszeit erst noch bevor. Wenn nur mal ein Sommer lang in jeweils einem der Bundesstaaten Dürre herrschen würde, hätte das keine langfristigen Auswirkungen. Inzwischen regnet es jedoch Jahr für Jahr in mehreren Regionen gleichzeitig viel zu wenig, so daß sich selbst die Wasserspeicher und Flüsse leeren und die künstliche Bewässerung eingeschränkt werden muß. Der Brotkorb Australiens, ein von den Flüssen Murray, Darling und ihren Zuflüssen geprägtes Becken im südöstlichen Viertel des Kontinents, verzeichnet Niedrigststände.

Die frühere konservative Regierung unter Premierminister John Howard hatte es nicht einmal für nötig befunden, das Klimaschutzprotokoll von Kyoto zu unterzeichnen. Howards Nachfolger Kevin Rudd holte dies schleunigst nach und liegt mit seiner Klimaschutzpolitik in etwa auf der Linie der Europäer. Nach fast einem Jahrzehnt Trockenheit wird sich Australien langfristig darauf einstellen müssen, mit der Dürre zu leben, oder sich vor ihr zurückzuziehen, wie es bereits im Outback, wo die Landwirtschaft vollständig auf künstliche Bewässerung angewiesen ist, geschieht. Das bedeutet auch, daß in Australien in nächster Zeit häufiger Feueralarm ausgerufen wird und das Leben in den evakuierten Regionen weitgehend zum Erliegen kommt - "nur" eine der vielen scheinbar unspektakulären Klimawandelfolgen.

18. November 2009



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