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KLIMA/435: Dürre und Ernteeinbußen in China und darüber hinaus (SB)


Monatelanger Niederschlagsmangel in weiten Teilen Asiens


In den hiesigen Breiten hat sich der Winter ungewohnt lange festgeklammert. Das subjektive Empfinden sagt dem Europäer, daß gar keine Erderwärmung stattfindet und er sich deshalb keine Sorgen zu machen braucht. Statt mit Sonnencreme sollte man sich besser mit warmen Klamotten eindecken, um für das, was da kommen möge, gewappnet zu sein. Dieser menschlich nachvollziehbaren Vorstellung erteilen Wissenschaftler unter Berufung auf Klimastatistiken eine gründliche Absage. Global gerechnet war der Januar überdurchschnittlich warm. Besonders deutlich bekamen das die Bewohner Nordkanadas zu spüren, dort lagen die Temperaturen vier bis neun Grad höher, als in der Winterszeit üblich. In einigen Landesteilen können die Dörfer nicht mehr auf dem ansonsten bis in den April hinein sicheren Landweg versorgt werden, weil der eisige Boden taut und matschig wird. In der kanadischen Provinz Manitoba stecken bereits sechs Lastwagen im aufgeweichten Boden fest. [1]

Die beunruhigendsten Nachrichten stammen jedoch aus Südwestchina und anderen Staaten der Region wie Laos, Myanmar und Kambodscha. Seit Monaten bleiben die für eine halbwegs normale Ernte notwendigen Niederschläge aus. Die Staatsmedien Chinas sprechen von einer Jahrhundertdürre, wie AFP am Mittwoch unter Berufung unter anderem auf die Global Times meldete. [2] Von dem Wassermangel betroffen sind weite Teile der Provinzen Guizhou, Yunnan und Sichuan, die Region von Guangxi sowie die Megacity Chongqing. Seit September beträgt die Niederschlagsmenge nur 60 Prozent des Normalwerts. In Guizhou liegen 86 der 88 Städte im Dürregebiet, mehr als 17 Millionen Einwohner leiden unter Trinkwassermangel.

Hinzu kommen viele Millionen Menschen ohne ausreichende Wasserversorgung in anderen Provinzen. Die Regierung hat Notmaßnahmen ergriffen und versucht, die betroffene Bevölkerung mit dem kostbaren Naß zu versorgen. Zugleich wird versucht, künstlichen Regen zu erzeugen, doch der Erfolg bleibt aus, weil die Luftmassen nicht genügend Feuchtigkeit transportieren, die durch künstliche Kondensationskerne gebunden und zum Abregnen gebracht werden könnten. Die Folgen für die Viehwirtschaft in den Dürregebieten oder die möglichen Ernteverluste lassen sich noch nicht absehen, zumal in manchen Gebieten die Frühjahrssaat überhaupt erst noch ausgebracht werden muß, vor allem aber weil die Zahlen laufend nach oben korrigiert werden müssen. RIA Novosti berichtete diese Woche von 6,45 Mio. Hektar ausgetrocknete Gebiete. [4] Wohingegen AFP unter Berufung auf chinesische Medien meldete, daß "Millionen Stück Vieh" und "riesige Anbaugebiete" unter Wassermangel leiden. [2]

Der üblicherweise trockene und heiße Sommer steht noch bevor. Eigentlich müßten die chinesischen Flüsse zur Zeit Frühjahrshochwasser führen. Aufgrund der längeren Kälteperiode steht sie wohl noch bevor. Medien berichten, daß viele Flüsse trocken gefallen sind oder wenig Wasser führen. Das betrifft auch den Mekong, der im chinesischen Hochgebirge entspringt und durch die Länder Myanmar, Laos, Thailand, Kambodscha und Vietnam fließt. In Yunnan führt der Mekong nur halb so viel Wasser wie sonst.

Dem Strom kommt in mehrerer Hinsicht eine herausragende Bedeutung zu. Er dient der Wasserversorgung für Haushalte und Landwirtschaft, dem Fischfang und als Wasserstraße. Aufgrund der Dürre mußte die Schiffahrt auf dem Mekong streckenweise eingeschränkt werden. In zahlreichen Gebieten Asiens sind Waldbrände ausgebrochen, und es besteht die Gefahr, daß von den Bauern absichtlich gelegte Feuer zur "Feldbereinigung" außer Kontrolle geraten. Ein ähnliches Bild ergibt sich für den Norden von Laos und Thailand. Der Rote Fluß in Hanoi führt so wenig Wasser wie seit 100 Jahren nicht mehr. [3] In Singapur hat es mit 6,3 Millimeter Niederschlag so wenig geregnet wie seit Aufzeichnungsbeginn vor 140 Jahren.

Prognosen über die diesjährigen Erntemengen müssen zu diesem frühen Zeitpunkt spekulativ bleiben. Der Auftakt läßt allerdings nichts Gutes ahnen. Die Niederschlagsarmut erstreckt sich bis hinunter zu den Philippinen. Unvermindert steht dort wie auch anderen asiatischen Staaten die Produktion von Biodiesel und Bioethanol in Konkurrenz zur Nahrungsmittelherstellung. Unter den gegebenen Produktionsbedingungen muß jedoch mehr als eine Milliarde Menschen hungern. Sie zu ernähren sowie jährlich weitere 60 bis 70 Millionen Erdenbewohner erfordert wahrscheinlich, daß mindestens auch jene landwirtschaftlichen Flächen, auf denen zur Zeit Pflanzen für Treibstoff angebaut werden, für die Nahrungsherstellung freigehalten werden, wollte man das gewaltige Opfer von jährlich, je nach Einschätzung, rund 30 Millionen Hungertoten verringern.


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Anmerkungen:

[1] "Early thaw strands trucks on Canadian winter roads", AFP, 17. März 2010
http://www.spacedaily.com/reports/Early_thaw_strands_trucks_on_Canadian_winter_roads_999.html

[2] "China drought leaves millions short of water", AFP, 17. März 2010
http://www.terradaily.com/reports/China_drought_leaves_millions_short_of_water_999.html

[3] "Dramatische Wasserknappheit in Südostasien", dpa, 18. März 2010
http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=55&tx_ttnews[tt_news]=75711&tx_ttnews[backPid]=23&cHash=fdd9c1d659

[4] "China von extremer Dürre heimgesucht", RIA Novosti, 17. März 2010
http://de.rian.ru/society/20100317/125508480.html

18. März 2010



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