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KLIMA/438: Meeresspiegelanstieg als Konfliktschlichter? (SB)


Insel im Golf von Bengalen untergegangen

Indien und Bangladesh können sich nicht über Besitz einer Insel streiten


Auch das gibt es: Seit fast 30 Jahren haben sich Indien und Bangladesh nicht darüber einigen können, zu wem eine Insel südlich des Hariabhanga-Flusses gehört. Nun hat die globale Erwärmung den Dauerkonflikt zumindest entschärft, da das unbewohnte Eiland schlicht von der Landkarte gelöscht wurde. Die Insel ist verschwunden, bestätigte laut Aljazeera [1] ein Mitarbeiter der School of Oceanographic Studies in Kalkutta nach der Sichtung von Satellitenaufnahmen und Berichten der Küstenwache.

Die Inder nannten die Insel New Moore Island, von den Bangladeshis wurde sie South Talpatti Island genannt. Sie gehörte zu den von Mangroven bewachsenen Sunderbanen, die ein Mosaik an kleineren und größeren, fast durchgängig jedoch sehr flach gelegenen Inseln vor der Mündung des Ganges und weiterer Flüsse bilden, die dort in den Golf von Bengalen fließen.

Der Ozeanograph Prof. Sugata Hazra von der School of Oceanographic Studies der Jadavpur-Universität in Kalkutta berichtete, daß der Meeresspiegel inzwischen beschleunigt steigt. Bis zum Jahr 2000 habe die Rate bei rund drei Millimetern pro Jahr gelegen, in den letzten zehn Jahren sei das Meer jedoch um durchschnittlich fünf Millimeter gestiegen. Die Bewohner der Sunderbanen-Insel Lohachara hätten bereits 1996 umziehen müssen, als ihre Insel unterging, und auch Ghoramara liegt bereits zur Hälfte unter Wasser. Weitere zehn Inseln seien gefährdet, so Hazra.

Allerdings vermag der Meeresspiegelanstieg nur auf den ersten Blick einen Streit zwischen Nachbarn zu schlichten. Ein anonymer Mitarbeiter des indischen Außenministeriums erklärte, daß der Verlauf der Seegrenze und die Frage, zu wem die verbliebenen Inseln gehören, ungeachtet des Verschwindens von New Moore Island nach wie vor offen sei.

In der Regel muß davon ausgegangen werden, daß die klimatischen Veränderungen in der Folge der Erderwärmung die bereits bestehenden Konflikte verschärfen und nicht mäßigen, und daß sie zu neuen sozialen Verwerfungen führen werden. So wenig wie Fehleinschätzungen in einem Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) beweisen, daß die Erderwärmung gar nicht stattfindet, so wenig taugt das obige Beispiel als Beweis dafür, daß die prognostizierten Klimawandelkonflikte eine Mär von Alarmisten sind.


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Anmerkungen:

[1] "Disputed island lost to the sea", Aljazeera.net, 25. März 2010

25. März 2010



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