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KLIMA/439: Lachgas aus Permafrostböden bislang wenig beachtet (SB)


Neue bedeutende Lachgasquelle in der Arktis ausfindig gemacht


Eine dänisch-norwegische Forschergruppe macht auf eine ihren Angaben zufolge weitgehend unbeachtet gebliebene Emissionsquelle für Lachgas aufmerksam: Wiederholt auftauender Permafrostboden.

Die Wirksamkeit von Lachgas (N2O) als Treibhausgas übersteigt die des Kohlendioxids und selbst des Methans um ein Vielfaches. Lediglich sein relativ geringer Atmosphärenanteil macht das Lachgas "nur" zum drittwichtigsten anthropogenen Treibhausgas. Es entfaltet eine rund 300 mal höhere Treibhausgas-Wirksamkeit als Kohlendioxid.

Die skandinavische Forschergruppe um Bo Eberling von der Universität Kopenhagen berichtete im Wissenschaftsmagazin "Nature Geoscience" [1], daß die Lachgasemissionen aus der Arktis bislang wenig beachtet wurden. Demnach entweicht kaum Gas, wenn Permafrostboden lediglich auftaut, wohl aber, wenn er auftaut und Wasser nachströmt. Das wurde im Untersuchungsgebiet der Feuchtgebiete von Zackenberg in Ostgrönland beobachtet.

Die Lachgasemissionen entsprachen dem Tagesdurchschnittswert der N2O-Ausgasungen der tropischen Wälder, die zu den weltweiten Hauptquellen von Lachgas gehören. Mehr noch, die Studienautoren schrieben, daß Vergleichsmessungen von Lachgas von fünf anderen Stellen in Kanada und auf der zu Norwegen gehörenden Inselgruppe Spitzbergen darauf schließen lassen, daß die Lachgasproduktion des Bodens in Zackenberg im unteren Bereich liegt. Schätzungsweise ein Drittel des auf diese Weise freigesetzten Lachgases entweicht in die Atmosphäre. Rund ein Viertel der Landfläche auf der Nordhalbkugel unterliegt dem Permafrostbereich.

Wie sind die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse mit Blick auf die Klimaentwicklung zu bewerten? Die Forscher haben keine Entdeckung gemacht, durch die sämtliche Klimamodelle über den Haufen geworfen werden müssen. Eher handelt es sich um ein Puzzleteilchen, das einerseits zum Gesamtbild der klimatischen Entwicklung des Planeten beiträgt, das andererseits aber auch die Ahnung nährt, wie wenig die Wissenschaft bislang in der Lage war, klimarelevante Faktoren genau zu erfassen. Denn eigentlich hätte man doch annehmen müssen, daß das drittwichtigste Treibhausgas, sei seine Konzentration in der Atmosphäre noch so gering, längst genauer erforscht worden wäre.

Anscheinend rückt erst in den letzten Jahren Lachgas verstärkt ins Blickfeld der Wissenschaft. So wurde kürzlich eine Studie veröffentlicht, wonach die sauerstoffarmen sogenannten Toten Zonen in den Ozeanen die marinen Lachgasemissionen signifikant erhöhen, was nach Einschätzung des Forschers Dr. Lou Codispoti vom University of Maryland Center for Environmental Science bedeutet, daß ihnen globalklimatische Auswirkungen zugesprochen werden muß.


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Anmerkungen:

[1] "High nitrous oxide production from thawing permafrost", Bo Elberling, Hanne H. Christiansen, Birger U. Hansen; Nature Geoscience, 4. April 2010, doi:10.1038/ngeo803
http://www.nature.com/ngeo/journal/vaop/ncurrent/abs/ngeo803.html

6. April 2010



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Elektronische Zeitung Schattenblick, ISSN 2190-6963
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