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ITALIEN/497: Enthüllung eines Turiner Professors - Ausbau der Rüstungsindustrie zur Kriegführung (Gerhard Feldbauer)


Turiner Professor enthüllt:
Meloni-Regierung baut Rüstungskonzern Leonardo zur Kriegführung aus

von Gerhard Feldbauer, 7. Mai 2024


Der Professor am Polytechnikum in Turin, Michele Lancione, hat den Ausbau der Rüstungsindustrie zur Kriegführung unter der Meloni-Regierung gegenüber der linken Zeitung Manifesto enthüllt. Am Beispiel des Ausbaus des Rüstungskonzerns Leonardo zeigt er auf, wie dabei die Forschungskapazitäten der Universität in den gigantischen Ausbau dieses Rüstungskonzerns für die Militarisierung missbraucht werden. "Die Behauptung, dass wir mit militärischen Partnern nur für die zivile Forschung zusammenarbeiten, ist eine heuchlerische Position", erklärt der renommierte Wissenschaftler, der dazu im September vergangenen Jahres in dem im Eris-Verlag erschienenen Buch "Università e Militarizzazione" (Universität und Militarisierung) die immer enger werdenden Beziehungen zwischen der Wissenschaft und der Kriegsindustrie und die militärische Nutzung ziviler Forschung anhand konkreter Objekte detailliert aufgezeigt und zum Widerstand dagegen aufgerufen hat. Dabei sei es schwierig, so Lancione, den Missbrauch der zivilen Forschung für militärische Zwecke aufzudecken wie beispielsweise, dass für einen Marsflug produzierte Raketen dann auf Gaza abfeuert werden.

Der italienische Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern Leonardo ist eines der größten Rüstungsunternehmen der Welt, das, gefördert von der Rechtsaußen-Regierung Giorgia Melonis, in Turin ein neues High-Tech-Zentrum errichtet. Dabei können sogar Gelder des Nationalen Aufbau- und Resilienzplans (PNRR), mit dem die italienische Regierung das EU-Programm zur Linderung der Covid-Folgen umsetzt, für Projekte von Leonardo genutzt werden, was der Wissenschaftler eine "mit Blut befleckte Partnerschaft" nennt. Beginnend bei den Vorgängerregierungen und fortgesetzt von Meloni hat Leonardo aus der Staatskasse von 2016 bis heute 2,135 Milliarden US-Dollar erhalten.

Mit diesen Geldern wird "Leonardo das, was Fiat einst war", informiert der Professor über den jahrzehntelang größten privaten italienischen Rüstungskonzern, der vom Sturmgewehr über Panzer, Haubitzen und Munition bis zu Flugzeugen und Schiffsantrieben so ziemlich alles produzierte, was die Streitkräfte brauchten. Dabei profitierte der Fiat-Konzern davon, dass er in der Öffentlichkeit vor allem als Autobauer bekannt war und kaum jemand wusste, dass er damit nur einen geringen Teil seiner Milliardenprofite einfuhr.

Die Vorgänge bestätigen, dass die Meloni-Regierung Vertreterin der reaktionärsten Kreise des Imperialismus ist, die auf Krieg setzen und das nicht nur in der Ukraine, wie vor einem Jahr die Entsendung einer Gruppe von Kriegsschiffen mit dem Flaggschiff der italienischen Kriegsmarine, dem Flugzeugträger "Cavour", an der Spitze, in den Pazifik zur Frontstellung gegen China zeigte. Für diesen Kriegskurs steht Melonis Verteidigungsminister Guido Crosetto, mit ihr Gründer der als äußerst rechts geltenden Brüder Italiens (FdI) und als Präsident des Verbandes italienischer Unternehmen für Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Sicherheit (AIAD) der Confindustria Lobbyist der Rüstungsindustrie.

Professor Lancione verwies darauf, dass die Verträge der Universitäten mit der Rüstungsindustrie auch die Menschenrechte verletzten und rief dazu auf, für die Befreiung des akademischen Wissens aus den Militärkomplexen zu kämpfen, an den Universitäten für einen kritischen Geist einzutreten und zu verhindern, dass die ihnen für die Grundlagenforschung zugewiesenen Gelder für militärische Zwecke verwendet werden.

Inzwischen geht die Einbeziehung der Universitäten in die Militarisierung sogar noch weiter. Wie Manifesto berichtete, beteiligen sich an dem am 4. Mai auf Sardinien begonnenen NATO-Manöver "Mare Aperto 2024" (Offenes Meer 2024), das bis zum 27. Mai dauert, 65 Dozenten und Studierende von 13 italienischen Universitäten, darunter aus Bologna, Genua, Mailand, Neapel und Pisa. Wie das italienische Verteidigungsministerium mitteilte, werden sie sich "an Bord unserer Schiffe" ihrem Studiengang entsprechend in das Personal integrieren.

An "Mare Aperto 2024", einer von der italienischen Marine koordinierten großen internationalen Übung, sind 9.500 Soldaten aus 22 Nationen beteiligt, von denen 11 der NATO angehören, mit über hundert Schiffen, Jägern, U-Booten und Drohnen. Die amerikanischen Marines werden zusammen mit den amphibischen Einheiten der San-Marco-Brigade und den Landungstruppen Spaniens und Frankreichs operieren. Die Franzosen werden ihr Flaggschiff, den Flugzeugträger Charles de Gaulle, einsetzen. Es handelt sich um die größte internationale Militärübung, die jemals von der italienischen Marine im Mittelmeer koordiniert wurde.

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Quelle:
© 2024 by Gerhard Feldbauer
Mit freundlicher Genehmigung des Autors

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 14. Mai 2024

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