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ITALIEN/539: Milliardendividenden der Konzerne - 9,8 Millionen Menschen in bitterster Armut (Gerhard Feldbauer)


Während die Konzerne Milliardendividenden ausschütten, leben 9,8 Millionen Italiener in bitterster Armut

Caritas Italiana warnt vor einem "Strudel neuer Armut"

von Gerhard Feldbauer, 17. November 2025


Zwei Nachrichten, wie sie gegensätzlicher nicht sein konnten, zeugten am Wochenende von der wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in Italien. Wie das führende Wirtschaftsblatt Il Sole 24 Ore berichtete, haben neben den Energiekonzernen Eni und Enel vor allem die Banken mit den beiden größten - Intesa Sanpaolo und Unicredit - an der Spitze, Milliarden Dollar an Gewinnen gescheffelt, von denen Eni und Enel umgerechnet vier Milliarden Dividenden an ihre Aktionäre ausschütteten. Zu den zehn führenden Unternehmen im nationalen Ranking gehören auch Generali, Poste Italiane, Monte dei Paschi, Ferrari und der Rüstungskonzern Leonardo, die alle im Vergleich zu den Zahlungen vor zwölf Monaten zweistellige Zuwachsraten verzeichneten. So flossen die Gelder in Strömen zu den großen Banken-, Energie- und Rüstungskonzernen, den drei Sektoren, die ihre Gewinne in diesem Jahr dramatisch gesteigert haben, während Löhne und Renten sowohl durch Unternehmensentscheidungen und Verhandlungen mit offiziellen Gewerkschaften als auch durch die Finanzpolitik der Regierung niedrig gehalten werden.

Ein Bericht der Caritas Italiana, der an der Universität Roma Tre vorgestellt wurde, zeichnet dagegen, wie die Gewerkschaft CGIL auf ihrer Online-Plattform Collettiva am 16. November schrieb, "ein klares Bild der Armut, die Italien plagt, die durch stagnierende Löhne, polarisierte Vermögensverteilung und ein Wirtschaftssystem, das in den letzten dreißig Jahren die Schwächsten nicht ausreichend geschützt hat, geprägt wird". Nach Erhebungen des Statistikamtes (ISTAT) sind heute 9,8 Prozent der Italiener und über zwei Millionen Familien von Armut betroffen. Das ist ein Anstieg um 43 Prozent innerhalb von zehn Jahren, so Collettiva, die weiter hervorhebt, dass sich das Vermögen der Reichsten seit den 1990er Jahren mehr als verdoppelt hat, während mindestens zehn Millionen Erwachsene nicht über ausreichende Ersparnisse verfügen, um unvorhergesehene Ereignisse zu überstehen - eine Situation, die jeden Schock zu einem tiefen Abgrund werden lässt.

Caritas informierte, dass ihre Beratungsstellen allein 2024 fast 280.000 Familien unterstützten. Viele von ihnen erlebten Notlagen, die nicht nur wirtschaftlicher Natur sind. Jede zweite Familie ist von mindestens zwei miteinander verknüpften Problemen betroffen, oft sogar von drei oder mehr. Armut manifestiert sich somit als ein kumulativer Zustand, der Einkommensmangel, soziale Isolation, Wohnungsprobleme, schlechte Gesundheit und zerrüttete Beziehungen miteinander verbindet. Familien mit niedrigem Einkommen müssen fast 9 % ihrer Ausgaben für Energie und Gas aufbringen, im Vergleich zu wohlhabenden Haushalten, wo es nur 3 % sind. Zu den gravierendsten Aspekten zählt Caritas Gewalt gegen Frauen, die durch die Armut verschärft und mitunter sogar verursacht wird. Jede dritte Frau hat mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt erlebt, und in 76 Prozent der Fälle sind die Frauen finanziell nicht unabhängig. Wirtschaftliche, häusliche und partnerschaftliche Gewalt erweist sich in Gesprächen mit Caritas-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern als ein Zusammenhang zwischen finanzieller Abhängigkeit, Arbeitsplatzunsicherheit, Wohnungsnot und Schwierigkeiten, einen Ausweg zu finden. Minderjährige sind besonders stark betroffen. Über drei Viertel von ihnen werden Zeuginnen häuslicher Gewalt.

Der vorgelegte Haushalt der Meloni-Regierung für 2026, der ausschließlich auf Krieg ausgerichtet ist, wird die Situation weiter verschlechtern, da er obendrein der von Brüssel verordneten Sparpolitik folgt und den arbeitenden Menschen weitere Soziallasten aufbürdet. Die Besteuerung von Einkommen und Gewinnen der Reichen, die niedriger als die von Arbeitnehmern ist, nannte CGIL-Generalsekretär Landini "unerträglich" und forderte, einen Solidaritätsbeitrag für die Superreichen einzuführen, was die Regierung ablehnte.

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Quelle:
© 2025 by Gerhard Feldbauer
Mit freundlicher Genehmigung des Autors

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 21. November 2025

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