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ITALIEN/541: Regionalwahlen - Mitte-Links behauptet sich in Apulien und Kampanien (Gerhard Feldbauer)


Regionalwahlen in Italien

Mitte-Links behauptet sich in Apulien und Kampanien, die extreme Rechte in Venetien

von Gerhard Feldbauer, 25. November 2025


In zwei von drei Regionen - in Apulien und Kampanien - hat die Linke Mitte bei der Abstimmung am Sonntag und Montag ihre Positionen behauptet und damit die erklärte Absicht der Ministerpräsidentin der rechtsextremen Koalition, Giorgia Meloni, ihr eine Niederlage zu bereiten, zum Scheitern gebracht. Rai News spricht von "Erdrutschsiegen im Süden für Mitte-Links". In Apulien, wo der Kandidat vom sozialdemokratischen Partito Democratico (PD), der EU-Abgeordnete und frühere Bürgermeister von Bari, Antonio Decaro, nach vorläufigen Ergebnissen 64 % erreichte, erlitt sein Herausforderer von der Koalition Melonis, der unabhängige, von der Forza Italia (FI) aufgestellte Unternehmer Luigi Lobuono, mit 28,8 % eine klare Niederlage. Auch in Kampanien, wo Roberto Fico von der Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) mit rund 60,6 % ins Präsidentenamt einzieht, bleibt Mitte-Links weiter im Amt. Nur in Venetien stellt Melonis Koalition mit Alberto Stefani von der Lega, der mit 64,4 % der Stimmen zum Präsidenten gewählt wurde, wieder die Regierung und verfügt über die Mehrheit der Sitze im Regionalparlament. Stefani, der die Nachfolge von seinem Parteifreund Langzeitpräsident Luca Zaia antritt, ließ den Bewerber des PD, den früheren Bürgermeister von Treviso, Giovani Manildo, der auf 28,8 % kam, weit hinter sich.

Zu dem Urnengang waren rund 13 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, von denen jedoch in allen drei Regionen mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten den Urnen fernblieb. In Venetien sank die Beteiligung auf 44,6 Prozent, was einem Minus von über 16 Punkten im Vergleich zu 2020 entspricht. Ähnlich in Kampanien (44,05 Prozent) und Apulien (41,8 Prozent).

Der Urnengang war der Abschluss von insgesamt sechs Regionalwahlen dieses Jahres, die die Rechtsaußen-Koalition in den Marken und Kalabrien für sich entschied, während in der roten Toskana Sozialdemokraten des PD an der Spitze von Mitte-Links vorn lagen. Meloni kann sich über die Niederlage damit hinwegtrösten, dass in 10 von insgesamt 20 Regionen ihre Koalition aus ihrer Partei Brüder Italiens (FdI) mit der Lega Salvinis und der Forza Italia (FI) Tajanis regiert. Damit verfügt sie über ein Übergewicht und sieht zuversichtlich ihrer Wiederwahl 2027 entgegen. Zumal nach Meinungsumfragen ihre FdI mit 30 Prozent sogar über jenen 26 Prozent liegt, die sie 2022 einfuhr. Lega und FI liegen stabil bei sieben bzw. neun Prozent.

Die Sekretärin des PD, Elena Schlein, wertet die Ergebnisse in den süditalienischen Regionen dennoch als Bestätigung dafür, dass "eine Alternative" zu Melonis Koalition existiere, "eine Wiederbelebung, die im Süden beginnt und uns gemeinsam zum Sieg führen wird. Die Parlamentswahl 2027 ist völlig offen. Wenn wir geeint sind, gewinnen wir", sagte sie.

Zu den Wahlen traten nicht nur gegen die Koalition Melonis, sondern auch gegen die Linke Mitte die Linkspartei Potere al Popolo (die Macht dem Volke) mit Kommunisten von PCI und PRC und weiteren Linken in Kampanien und Apulien mit den Listen Campania Popolare und Puglia Pacifista e Popolare an, um der, wie sie forderten, unternehmerfreundlichen Politik der PD ein Ende zu bereiten. In Kampanien hatten die Listen u. a. scharf kritisiert, dass Decaro im März für das 800 Milliarden Euro teure Wiederaufrüstungsprogramm der EU, dessen Kosten den arbeitenden Menschen aufgebürdet werden, gestimmt hatte. Sie kamen in Apulien auf 0,5 % und schafften auch in Kampanien mit 2,5 % den Einzug in den Regionalrat nicht. Seit in Genua die 39jährige unabhängige Linke Silvia Salis, eine frühere Olympiateilnehmerin im Hammerwerfen, Tochter eines PCI-Kommunisten, im Mai dieses Jahres die achtjährige Herrschaft der Rechten mit ihrer Wahl zur Bürgermeisterin beendete, wird auch unter Mitte-Links erörtert, ob die PD unter Elena Schlein der richtige Oppositionsführer ist und diese Rolle, wie das Giornale d'Italia schrieb, eher der Genueser Newcomerin zukommen könnte.

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Quelle:
© 2025 by Gerhard Feldbauer
Mit freundlicher Genehmigung des Autors

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick zum 29. November 2025

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