Spaltung der kommunistischen Bewegung Italiens hält an
Mitglieder des PCI haben die Partei verlassen
Bei Regionalwahlen Aufschwung in linken Listen
von Gerhard Feldbauer, 16. Januar 2026
Das Zentralkomitee des Partito Comunista Italiano (PCI), der Italienischen Kommunistischen Partei, unter Leitung seines Sekretärs Mauro Alboresi habe das Verlassen einiger Mitglieder der Partei am 11. Januar als Versuch verurteilt, die Parteistrukturen zu schwächen und die Führung zu diffamieren, berichtet das kommunistische Magazin Contropiano am 16. Januar. Der an das ZK gerichtete Aufruf "Lasst uns den PCI verlassen" wurde gleichzeitig über soziale Medien veröffentlicht, ohne dass sich die Betroffenen an einer Diskussion über die vom jüngsten 3. Nationalkongress festgelegte politischen Linie, die nahezu einstimmig, auch von den Unterzeichnern, gebilligt worden war, zu beteiligen. Jetzt wird behauptet, die gegenwärtige Führung habe eine der Säulen der im konstituierenden Prozess festgelegten Linie aufgegeben, nämlich das Streben nach kommunistischer Einheit und den Dialog mit den vielen im Land vorhandenen kommunistischen Gruppen, was die Partei letztendlich isoliert habe.
Das genaue Gegenteil sei der Fall, heißt es in der Erklärung, die die unzähligen gemeinsamen Initiativen zum Krieg, zu Palästina, zu der marktwirtschaftlichen Politik der EU und der Regierung und schließlich das Engagement bei den Kommunalwahlen, bei denen die Partei in den letzten Monaten Seite an Seite mit anderen kommunistischen und klassenbasierten Linksparteien teilgenommen hat, anführt und betont, dass das ganz im Sinne dessen geschah, was auf dem letzten Kongress beschlossen und bekräftigt wurde. Eine Parteikonferenz im März werde sich mit den Fragen befassen.
Der PCI ist eine der vier KPs, in die die Kommunisten Italiens gespalten sind. Das sind:
Der Partito della Rifondazione Comunista (PRC), der im Dezember 1991 von Mitgliedern, die die Umwandlung des von Antonio Gramsci 1921 gegründeten Partito Comunista Italiano (PCI) in den Partito Democratico della Sinistra (PDS) im Januar 1991 nicht mitgemacht hatten, als Nachfolger gegründet wurde. Von einst rund 130.000 Mitgliedern bei der Gründung sind heute nur noch ca. 10.000 geblieben. Bei den Parlamentswahlen, zu denen er bis 2006 eigenständig antrat, erhielt er zwischen 5 und 8,5 Prozent der Stimmen. Zu den Wahlen 2008 trat er mit dem Partito Comunista d'Italia (PCdL), den Verdi (Grünen) und verschiedenen Linken in einem Bündnis Sinistra l'Arcobaleno (Regenbogen-Linke) an und fiel mit 3,1 % unter die Sperrklausel von 4 %. Die Partei war Gründungsmitglied der Europäischen Linkspartei (EL) und stellte mit Paolo Ferrero seit 2016 deren Vize-Vorsitzenden. Parteivorsitzender ist seit 2017 Maurizio Acerbo.
1998 hatte sich eine Gruppe vom PRC abgespalten und den Partito Comunista d'Italia (PCdL) gebildet, der 2016 zur Betonung seiner kommunistischen Identität und als Bekenntnis zum Erbe Gramcsis den Namen des von diesem gegründeten PCI annahm und wieder Hammer und Sichel im Logo führte. Vorsitzender der auf etwa zehn- bis fünfzehntausend Mitglieder geschätzten Partei ist seither Mauro Alboresi.
2006 trennte sich eine Gruppe Progetto Comunista vom PRC und bildete unter Marco Ferrando die Kommunistische Arbeiterpartei - Partito Comunista dei Lavoratori (PCL). Der Philosophieprofessor Ferrando war Mitglied der Leitung der trotzkistischen IV. Internationale. In der Zeitung Manifesto betonte er am 12.6.2007 den "nicht unbedingt trotzkistischen Charakter seiner Partei", die für "eine antikapitalistische, politisch und organisatorisch unabhängige Linke", die eine "massive Dosis Sozialismus" einschließen müsse, eintrete.
2014 formierte der FIAT-Arbeiter Marco Rizzo eine weitere Kommunistische Partei (PC), die wie die anderen genannten KPs Hammer und Sichel ins Logo nahm. Rizzo war Mitglied des 1991 aufgelösten PCI gewesen, hatte danach zu den Gründern des PRC gehört, diesen 1998 verlassen und den PCdI mitgegründet. Seit 2023 ist Alberto Lombardo Generalsekretär des PC.
Mit Ausnahme der PCL stehen der PRC, der PCI und der PC auf regionaler Ebene miteinander in Kontakt. Zu den Regionalwahlen im November 2025 traten Kommunisten vom PCI und PRC mit der Linkspartei Potere al Popolo (Die Macht dem Volke) und weiteren Linken in Kampanien auf einer Liste Campania Popolare und in Apulien als Puglia Pacifista Popolare an, um der unternehmerfreundlichen Politik der Sozialdemokraten ein Ende zu bereiten. In Apulien kam das Bündnis auf 0,5 Prozent, in Kampanien lag es mit 2,5 Prozent nur 0,5 unter der Sperrklausel, was als ein "Achtungserfolg" gesehen wurde.
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Quelle:
© 2026 by Gerhard Feldbauer
Mit freundlicher Genehmigung des Autors
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 23. Januar 2026
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