Bundesärztekammer - Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern - Pressemitteilung vom 28. November 2025
Für eine gesunde Bevölkerung: Public Health neu denken
Der demografische Wandel, die Zunahme chronischer und psychischer Erkrankungen sowie veränderte Lebens- und Arbeitsbedingungen stellen das Gesundheitswesen in Deutschland vor wachsende Herausforderungen. Damit steigt die Bedeutung eines Public-Health-Ansatzes, der Risiken früh erkennt, wirksame Prävention ermöglicht und die Gesundheit der Bevölkerung nachhaltig stärkt.
Die Bundesärztekammer (BÄK) bewertet es daher als wichtiges politisches Signal, dass Public Health im Koalitionsvertrag und in den Vorhaben der Bundesregierung ausdrücklich verankert ist. Zugleich zeigt die Stellungnahme der Bundesärztekammer "Medizinisch-wissenschaftliche Bestandsaufnahme zu Public Health", dass Deutschland eine übergreifende, wissenschaftlich fundierte Public-Health-Strategie benötigt, um bestehende Potenziale auszuschöpfen und Prävention, Gesundheitsförderung sowie den öffentlichen Gesundheitsdienst nachhaltig zu stärken.
Dazu erklärt Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer:
"Es gibt viele Einflussfaktoren und Umstände, die bestimmen, ob ein
Mensch gesund bleibt oder erkrankt. Manchmal ist es einfach nur
Schicksal, doch maßgeblich hängen Gesundheit und Krankheit von
individuellen Verhaltensweisen, aber auch von Lebensumständen und
sozialem Status ab. Public Health greift diese und viele weitere
Zusammenhänge auf: Es geht darum, Ursachen von Erkrankungen zu
erkennen, Prävention zu fördern und gemeinsam Verantwortung zu
übernehmen. Wenn wir die Gesundheit der Bevölkerung langfristig
stärken wollen, müssen wir sie im Sinne eines
Health-in-all-Policies-Ansatzes in allen Politikfeldern mitdenken. Nur
wenn politische Entscheidungen in Bereichen wie Bildung, Umwelt,
Arbeit, Stadtentwicklung oder Verkehr auch gesundheitliche
Auswirkungen berücksichtigen, kann die Gesunderhaltung der Bevölkerung
als gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe gelingen."
Nina Warken, Bundesministerin für Gesundheit:
"Die Stellungnahme verdeutlicht die Komplexität der Aufgabe, Public
Health insgesamt zu stärken. Deutschland hat beim Gesundheitszustand
der Bevölkerung, bei der Gesundheitskompetenz und den Anreizen, ein
möglichst gesundheitsbewusstes Leben zu führen, noch deutlich Luft
nach oben. Gleichzeitig ergeben sich viele Möglichkeiten für gute
Lösungen, an denen die Gesundheitspolitik ansetzt: Durch das kürzlich
vorgestellte Forschungsdatenzentrum können wir die Forschung durch
eine deutlich breitere Datenbasis auf ein neues Level heben. Die
Gesundheitskommunikation werden wir inhaltlich noch stärker
miteinander abstimmen - angefangen bei den nachgeordneten Behörden des
BMG. Angesichts der geopolitischen Veränderungen und aktuellen Krisen
gewinnt zudem die Gesundheitssicherheit massiv an Bedeutung. Deshalb
werden wir die Resilienz unseres Gesundheitssystems im Falle eines
Ausnahmezustands stärken. Dies ist kein Alarmismus, sondern ein
Rendez-vous mit der sicherheitspolitischen Realität. Ich bin dankbar,
dass wir bei den bevorstehenden Aufgaben auf die Ärzteschaft zählen
können."
Prof. Dr. Ute Thyen, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats und
Federführende des Arbeitskreises "Medizinisch-wissenschaftliche
Bestandsaufnahme zu Public Health":
"Die Stärkung des Arbeits- und Forschungsfeldes Public Health
insbesondere in den Bereichen Gesundheitsförderung, Prävention und
Früherkennung sowie Gesundheitsschutz erfordert transparente
Governance, klare Finanzierungsstrukturen, zentrale
Dateninfrastrukturen und ressortübergreifendes politisches Handeln.
Die Prävention muss gegenüber der kurativen Gesundheitsversorgung
gestärkt werden, insbesondere durch gesunderhaltende Gestaltung der
Lebenswelten. Evidenzbasierter Gesundheitskommunikation, Einbindung
und Beteiligung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen und Nutzung
digitaler Daten für eine effektive Public-Health-Strategie kommt eine
besonders hohe Bedeutung zu."
Prof. Dr. Michael Hallek, Vorsitzender des Wissenschaftlichen
Beirats der BÄK, ergänzt:
"Public-Health-Forschung ist die Grundlage für wirksame
Verhältnisprävention, für die Stärkung gesundheitlicher Kompetenzen
und für mehr Chancengerechtigkeit. Damit leistet sie einen zentralen
Beitrag zur Gesundheit der Bevölkerung, zur Resilienz unseres
Versorgungssystems sowie zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. In den
vergangenen Jahren sind wichtige Voraussetzungen geschaffen worden -
von einer gestärkten Forschungslandschaft über einen
leistungsfähigeren Öffentlichen Gesundheitsdienst bis hin zu
Fortschritten bei Datenschutz und Dateninfrastrukturen. Gleichzeitig
bleibt viel zu tun: Forschungsressourcen müssen stärker gebündelt,
erfolgreiche Interventionen schneller in die Praxis übertragen und
qualitativ hochwertige Daten für Forschung besser zugänglich gemacht
werden."
Stellungnahme der BÄK "Medizinisch-wissenschaftliche Bestandsaufnahme zu Public Health"
https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/wissenschaftlicher-beirat/Veroeffentlichungen/WB-Stellungnahme_Public_Health_20_11_2025.pdf
*
Quelle:
Bundesärztekammer
Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern
Pressemitteilung vom 28. November 2025
Herbert-Lewin-Platz 1, 10623 Berlin
Telefon: 030/40 04 56-0
E-Mail: info@baek.de
Internet: www.bundesaerztekammer.de
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 5. Dezember 2025
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