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STANDPUNKT/023: EU-Trilog - Verordnungsentwurf zu den neuen Gentechniken ist inakzeptabel (Gen-ethisches Netzwerk)


Gen-ethisches Netzwerk e.V. (GeN) - Pressekommentar vom 4. Dezember 2025

Das Aus für das Vorsorgeprinzip?

Verordnungsentwurf zu den neuen Gentechniken ist inakzeptabel


Berlin, 4.12.2025. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurde im EU-Trilog eine Einigung erzielt über eine weitgehende Deregulierung der neuen gentechnischen Verfahren. Der Verordnungsentwurf muss noch vom Rat und vom Parlament abgestimmt werden, bevor er formell angenommen werden kann. Kernforderungen des EU-Parlaments wie zum Beispiel eine Kennzeichnungspflicht bis zum Endprodukt oder ein Verbot der Patentierung der neuen Pflanzen wurden dabei übergangen.

Judith Düesberg vom Gen-ethischen Netzwerk kommentiert die Einigung: "Mit dieser Einigung wurde das Vorsorgeprinzip, ein Grundpfeiler der EU-Konstitution, untergraben. Errungenschaften wie eine Risikoprüfung für Umwelt und Verbraucher*innen, eine Kennzeichnungspflicht bis zum Teller und Maßnahmen, um die gentechnikfreie Lebensmittelkette zu schützen, sollen für die allermeisten Pflanzen aus neuer Gentechnik wegfallen. Dies gilt nicht nur für Nutz-, sondern auch für Wildpflanzen. Diese Technologien machen es möglich, Organismen viel weitgreifender zu verändern, als es mit bisherigen Methoden der Fall war. Sollte dieser Freifahrtschein so verabschiedet werden, würde es eine weitreichende Veränderung der europäischen Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und Züchtungsbranche bedeuten. Und das nicht zum Guten: Auf kleine und mittelständische Züchtungsunternehmen sowie Landwirtschaftsbetriebe und Unternehmen, die gentechnikfrei arbeiten wollen, würden große Herausforderungen warten. So werden sicher viele Patente auf Pflanzeneigenschaften angemeldet werden, die den Zugang zu genetischem Material extrem einschränken und in der Konsequenz die Vielfalt auf den Äckern und Tellern schmälern. Noch gibt es die Chance, im EU-Rat und im Parlament diese Einigung zu stoppen und einen verantwortungsvollen und umsichtigen Umgang mit den neuen Technologien zu wählen."

Hintergrundinformationen:

Positionspapier: Wahlfreiheit lässt sich nur durch Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von neuen GVOs sichern.
https://www.gen-ethisches-netzwerk.de/sites/default/files/dokumente/2025-05/%C3%9Cbersetzung_%20Counterstatement%20Freedom%20of%20Choice%20only%20possible%20through%20labelling%20and%20traceability_21.05.25.pdf

Stellungnahmen vom GeN und 200 weiteren EU-Organisationen:
Protect the business of small and medium size breeders, farmers, and the organic and non GMO sectors in the EU
https://www.gen-ethisches-netzwerk.de/sites/default/files/dokumente/2025-02/Joint%20Statement%20-%20New%20GMOs%20-%2007.02_0.pdf


Das Gen-ethische Netzwerk e.V. (GeN)

Gemeinnützig. Kritisch. Interdisziplinär.
Das GeN ist ein spendenfinanzierter Verein, der Wissen zu Bio-, Gen- und Fortpflanzungstechnologien für die interessierte Öffentlichkeit aufbereitet. In Zusammenarbeit mit feministischen und ökologischen Bewegungen ermöglichen wir differenzierte Debatten, die die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Technologien ins Zentrum stellen.

Wir setzen uns ein für
• einen verantwortungsvollen Umgang mit Bio-, Gen- und Fortpflanzungstechnologien.
• eine gerechte, nachhaltige und solidarische Zukunft für alle.
• diverse Perspektiven in Politik und Wissenschaft.

Weitere Informationen: https://gen-ethisches-netzwerk.de/ueber-uns

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Quelle:
Gen-ethisches Netzwerk e.V. (GeN)
Pressekommentar vom 4. Dezember 2025
Lausitzer Straße 10, Aufgang B, 10999 Berlin
Tel.: 030 / 685 7073, Fax: 030 / 684 1183
E-Mail: gen@gen-ethisches-netzwerk.de
Internet: www.gen-ethisches-netzwerk.de

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 5. Dezember 2025

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