Germanwatch e.V. - Pressemitteilung, 8. Dezember 2025
Faire Preise für Bäuerinnen und Bauern in der globalen Lieferkette
Gemeinsame Pressemitteilung von Germanwatch und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)
Hamm/Berlin (04. Dez. 2025). Anfang Dezember referierten und diskutierten Bäuerinnen und Bauern sowie weitere Expert:innen aus Ghana, Ägypten und Deutschland, politische Entscheidungsträger:innen und Vertreter:innen von Nichtregierungsorganisationen auf der gut besuchten Fachveranstaltung (40 Teilnehmer:innen vor Ort plus 75 Online) von Germanwatch und AbL zum Thema Faire Preise in der globalen Lieferkette. Erst diesen Montag wurde der Evaluierungsbericht zur UTP-Richtlinie von der EU-Kommission veröffentlicht und davor das Gutachten der Monopolkommission. Diese von unabhängigen Gremien erarbeiteten Gutachten kommen zu dem Schluss, dass Bäuerinnen und Bauern in der EU kaum Möglichkeiten haben, existenzsichernde und auskömmliche Preise zu erwirtschaften. Auch Verbraucher:innen sind Verlierer:innen in der Wertschöpfungskette. Sowohl der Lebensmitteleinzelhandel als auch die Verarbeitung schöpfen große Margen ab.
Von ähnlichen Erfahrungen berichtete auch Leticia Yankey, Kakaobäuerin
aus Ghana, Mitglied der Ghana Civil Society Cocoa Platform:
"Die Preise sind in den letzten Jahren gestiegen, aber auch unsere
Kosten. Wir erwirtschaften keine auskömmlichen Einkommen, um unsere
Existenzen nachhaltig zu sichern und unseren Kakaoanbau
klimaverträglich und klimaresilient weiterzuentwickeln."
Elmar Hannen, Milchbauer in Kleve und European Milk Board, führte
weiter aus:
"Wir Lieferant:innen bekommen in der Wertschöpfungskette ausgezahlt,
was übrig bleibt - und das Risiko der Molkereien wird auf uns
abgewälzt. Die Gutachten der Monopolkommission und der UTP-Evaluierung
kommen zu ähnlichen Rückschlüssen. Nun ist die Politik aufgefordert,
die notwendigen Rahmenbedingungen herzustellen, um unsere
Verhandlungsposition wirksam zu verbessern."
Claudia Gerster, AbL-Bundesvorsitzende und Milchbäuerin aus
Sachsen-Anhalt, sagte in der Podiumsdiskussion:
"Es ist frappierend, wie sich die Probleme und Herausforderungen auf
den Höfen in Deutschland und in Ghana ähneln. Nur bedeutet für
Menschen im Globalen Süden ein nicht funktionierendes regionales
Ernährungssystem nicht selten Hunger. Wir Bäuerinnen und Bauern haben
eine gefährlich schwache Marktposition in der Lieferkette, die die
Existenz unserer Höfe gefährdet. Deshalb brauchen wir politische
Rahmenbedingungen, wie eine EU-weite Vertragspflicht mit konkreten
Inhalten, ein Gebot der Kostendeckung und Transparenz in der
Wertschöpfungskette. Das haben wir heute den Politiker:innen der
Regierungsparteien mitgegeben.
Konstantinos Tsilimekis, Bereichsleiter Welternährung, Landnutzung und
Handel, Germanwatch, ergänzte:
"Ernährungssicherheit gelingt nur mit fairen Preisen: Gesunde
Lebensmittel müssen für alle Verbraucher:innen bezahlbar bleiben -
damit das Recht auf angemessene, nahrhafte Ernährung von allen
Menschen wahrgenommen werden kann. Erzeuger:innen hierzulande und im
Globalen Süden, die täglich hart für unsere Versorgung arbeiten und
dies im Einklang mit der Natur tun wollen, verdienen faire Preise, die
Kosten decken, Krisen abfedern und mit denen ökologische Standards
erfüllt werden können. Es ist an der Politik endlich sicherzustellen,
dass Erzeuger:innen nicht länger systematisch gegenüber marktmächtigen
Handels- und Herstellerunternehmen benachteiligt werden."
*
Quelle:
Pressemitteilung, 08.12.2025
Herausgeber: Germanwatch e.V.
Büro Bonn:
Dr. Werner-Schuster-Haus, Kaiserstr. 201, 53113 Bonn
Büro Berlin:
Stresemannstr. 72, 10963 Berlin
E-mail: info@germanwatch.org
Internet: http://www.germanwatch.org
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 12. Dezember 2025
Zur Tagesausgabe / Zum Seitenanfang