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FORSCHUNG/1751: EuroWorm - Leibniz-Gemeinschaft fördert Projekt zu marinen Würmern (idw)


Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels - 16.12.2025 09:27

EuroWorm: Leibniz-Gemeinschaft fördert LIB-Projekt zu marinen Würmern

Kooperationsprojekt unter Leitung des LIB


Unter der Leitung von Dr. Jenna Moore vom Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) startet 2026 ein neues Kooperationsprojekt zur Erforschung europäischer mariner Ringelwürmer. Das Projekt "EuroWorm: Accelerating Global Marine Annelid Biodiversity Research With Open Genomic Data For European Species" wird im Rahmen des Programms "Leibniz-Kooperative-Exzellenz" der Leibniz-Gemeinschaft gefördert. Es vereint die Expertise von Anneliden-Spezialistinnen und -Spezialisten sowie Genomforschenden am LIB, der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung sowie der Georg-August-Universität Göttingen.

Weltweit verschwinden Arten in alarmierendem Tempo - beschleunigt durch Klimawandel, Lebensraumverlust und invasive Arten. Besonders davon betroffen sind wenig erforschte Gruppen wie viele marine Würmer. Bei ihnen droht das Aussterben oft, bevor die Arten überhaupt wissenschaftlich beschrieben wurden. Marine Ringelwürmer (Anneliden) spielen in nahezu allen Meereslebensräumen eine zentrale ökologische Rolle: Sie durchmischen Sedimente, recyceln Nährstoffe, dienen als Bioindikatoren für Verschmutzung und spielen eine wichtige Rolle im Nahrungsnetz. Gleichzeitig ist ihre tatsächliche Artenvielfalt nach wie vor unbekannt.

Auf Spurensuche in europäischen Meeren

Die moderne Klassifizierung der biologischen Vielfalt hat ihren Ursprung in Europa - und umfassende, offen zugängliche Daten zu europäischen Arten sind heute ein entscheidender Schlüssel, um die weltweite Biodiversität zu verstehen.

Genau hier setzt "EuroWorm" an: Das Projektteam plant, wichtige Typuslokalitäten in Europa zu beproben. Also jene Orte, an denen einst hunderte Arten erstmals beschrieben wurden. Die neu gesammelten Tiere werden morphologisch bestimmt, hochauflösend fotografiert und mit modernen genomischen und morphologischen Methoden untersucht. Anschließend fließen die Bild- und Genomdaten gemeinsam mit den jeweiligen Exemplaren in die Sammlungen des LIB (Museum der Natur Hamburg) und des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums Frankfurt ein.

Genomdaten als Schlüssel zur Evolution der Anneliden

Ziele des Projekts:

  • Aufbau eines genomischen Inventars europäischer Meeresanneliden, das direkt mit den jeweiligen Exemplaren verknüpft ist.
  • Klärung der Einordnung von Gruppen, deren Platz im evolutionären Stammbaum der Anneliden bislang schwer zu bestimmen war.
  • Einsatz vergleichender Genomik, um zu untersuchen, wie sich Körperbau, Fortpflanzung und Lebensweise im Verlauf der Evolution der Anneliden verändert haben.

"Mit 'EuroWorm' möchten wir offene und aussagekräftige Datensammlungen zu europäischen Meeresanneliden schaffen sowie zentrale Fragen zur Evolution dieser Tiergruppe beantworten. Durch vergleichende Daten zu europäischen Arten hoffen wir, die Entdeckung neuer Arten und die Biodiversitätsforschung weltweit zu beschleunigen - und so dem 'stillen Aussterben' mariner Arten entgegenzuwirken", erklärt Projektleiterin Dr. Jenna Moore vom LIB.

Offene Daten für die globale Biodiversitätsforschung

Alle Daten sowie ausleihbare Exemplare aus den Museumssammlungen werden in offenen, frei zugänglichen Datensammlungen für die internationale Forschung zusammengeführt. Auf diese Weise möchte "EuroWorm" den Zugang zu europäischem Referenzmaterial erleichtern - insbesondere für Forschende im Globalen Süden - und dazu beitragen, die Entdeckung neuer Arten und die Charakterisierung der biologischen Vielfalt weltweit voranzubringen.

Gleichzeitig stärkt das Projekt die Rolle von Naturkundemuseen als moderne Forschungsinfrastrukturen: Die offen zugänglichen, vollständig digitalisierten Sammlungsdaten werden über die Portale des LIB und von Senckenberg sowie über internationale Plattformen wie GBIF bereitgestellt und bilden eine wichtige Grundlage für zukünftige Biodiversitäts- und Naturschutzforschung.

Leibniz-Programm Kooperative Exzellenz

Mit dem Programm "Leibniz-Kooperative-Exzellenz" fördert die Leibniz-Gemeinschaft besonders innovative Forschungsvorhaben, deren Erfolg auf enger Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Leibniz-Instituten und weiteren Partnern beruht. Im Mittelpunkt stehen vernetzte Projekte, die neue Methoden, Daten und Infrastrukturen für die Forschung bereitstellen.

PM auf der LIB Webseite
https://leibniz-lib.de/de/news/16122025-euroworm-leibniz-gemeinschaft-foerdert-lib-projekt-zu-marinen-wuermern.html

Interview mit Dr. Jenna Moore
https://leibniz-lib.de/de/news/15122025-ringelwurm-sammlung-interview-jenna-moore.html

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung:
https://idw-online.de/de/institution150

Homepage:
https://leibniz-lib.de/

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Quelle:
Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - Pressemitteilung
Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels - 16.12.2025 09:27
WWW: http://idw-online.de
E-Mail: service@idw-online.de

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 9. Januar 2026

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