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BERGBAU/154: Kupferabbau in der Lausitz - vorerst abgewendet, doch grundsätzlich ausgeschlossen wurde er nicht (naturmagazin)


naturmagazin
Berlin - Brandenburg
Ausgabe 4/2023

Kupferabbau in der Lausitz

Spremberg liegt im Süden Brandenburgs, die Altstadt idyllisch eingebettet im Tal, am Ufer der Spree, nicht ohne Grund trägt sie den Beinamen "Perle der Lausitz". Hin und wieder wird diese Bezeichnung strapaziert, um den Tourismus zu beleben.

von Sylvia Jordan, Peter Wolf und Thomas Böhning (Interessengemeinschaft gegen Kupferbergbau in der Lausitz)


Noch gibt es diese reizvollen Fleckchen Erde, diese alten unberührten Dörfer mit Jahrhunderte altem Charme. Auf der anderen Seite wurde und wird die Lausitz durch den Braunkohleabbau stark geprägt. In den 1950er-Jahren in großem Stil begonnen, haben die Menschen der Region mit ihm, den bergbaubedingten Umsiedlungen, der Kohlestromerzeugung plus aller negativen Begleiterscheinungen zu leben gelernt. Die Rekultivierungsmaßnahmen verdienen oft ihren Namen nicht. Die billigste Variante, es halbwegs gut aussehen zu lassen, ist die Anlage großer Tagebaurestseen. Diese entwickeln sich zu riesigen Verdunstungsflächen in einer der niederschlagsärmsten Gegenden Deutschlands, geben aber auch viel Freude zur Naherholung und für den Wassersport. Ein ausgeprägtes Radwegenetz vereinfacht zusätzlich aktive Erholung in der Natur. Doch die unendlich großen Wunden verheilen sehr langsam. Wir Bewohner brauchen Geduld und investieren gleichsam enorm viel Kraft, um Natur und Mensch einzuladen und freundlich zu empfangen. Der Tourismus und viele Naturfreunde haben den "Geheimtipp" inzwischen angenommen und sind gern bei uns zu Gast.

Alles herausholen, was möglich ist

Die Lausitzer haben nach der politischen Wende im Jahr 1989 einen großen Wandel in der Wirtschaft hinnehmen müssen. Tausende Arbeitslose, junge Menschen, die weggingen, hinterließen bis heute spürbare Auswirkungen auf das gesamtgesellschaftliche Leben. Nach über 30 Jahren ist scheinbar etwas Ruhe eingekehrt. Nun allerdings schwebt ein neues Damoklesschwert über uns. Politik und Wirtschaft beschließen im wahrsten Sinne des Wortes abermals, alles aus der Gegend herauszuholen. Ein Strukturwandel als Folge des Braunkohleausstieges. Dabei schockt uns als Naturschützer besonders die Planung bzw. der Bau riesiger Solarparks und einer großen Anzahl von Windrädern in bislang unberührten Gebieten. Große Unternehmen stehen in den Startlöchern und stecken in der Lausitz ihre "Claims" ab. Erste Pfähle sind bereits eingeschlagen.

Ein wirklich "dunkelrotes Tuch" ist eine GmbH mit südamerikanischen Wurzeln, welche nun einen Kupferbergbau mit Vorverarbeitung etablieren möchte, gänzlich anders als gewohnt und fast unsichtbar, so wird es versprochen. Statt riesige Tagebaue und Abraumhalden, soll es nun ein unterirdisches Kupferbergwerk werden. Die Bürger sind überwiegend skeptisch und zu großen Teilen gegen eine erneute Naturzerstörung und Umweltbelastung. Seitens der Landespolitik scheint es eher nach dem Motto zu laufen: Dort ist sowieso schon fast alles kaputt - da spielt eine weitere massive Umweltbelastung auch keine Rolle mehr.

Erst Braunkohle, jetzt Kupfer

Das Kupfervorkommen erstreckt sich quer durch Europa, beginnend bei den Britischen Inseln, durch die Lausitz bis weit nach Süd-Ost-Europa. In der Lausitz wurde es zu DDR-Zeiten exploriert. Letztendlich wurde doch dagegen entschieden: Zu wenig, zu tief, zu geringe Konzentration - zu teuer. Dabei dürfte der Umweltschutzgedanke nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben, doch wurde vielleicht unterschwellig davor zurückgeschreckt, die Spree zu vergiften, die auch durch Berlin fließt. Hinter der Grenze, in Polen, wird das Kupfererz schon seit mehreren Jahrzehnten abgebaut. Die Abraumhalden und -seen wachsen unaufhörlich und prägen das Landschaftsbild auf ihre eigene, wenn auch ausgesprochen giftige Weise. Die Lausitzer sind entsetzt - wir kämpfen für unsere Heimat mit der nach dem Braunkohlebergbau übrig gebliebenen Flora und Fauna.

Die Firma KSL (Kupferschiefer Lausitz) GmbH trat im März 2023 mit einem Paukenschlag an die Öffentlichkeit und stellte ihr Vorhaben im Rahmen eines Raumordnungsverfahrens (ROV) vor. Schon bei der Eröffnungsveranstaltung zeigte sich deutlicher Unmut in der Bevölkerung. "Braunkohletagebau ist ein Kindergeburtstag gegenüber dem Kupferbergbau", wurde lautstark betont.

Neue Ewigkeitslast

Aus der Region um Frauenberg im Erzgebirge ist bei Westwind der Begriff ABC-Wetterlage bekannt. Diese Bezeichnung meint nicht Atom-, biologische und chemische Kampfstoffe, sondern Arsen, Blei und Cadmium. An die Oberfläche gefördert, bearbeitet, umgelagert, verspült und endgelagert stellen sie eine ernsthafte Gefahr für alles dar, was lebt. Zumal sich technologisch seit den 1970ern nicht viel verändert hat. Das Erz der Lausitz, mit einem Kupfergehalt von lediglich 1-2 Prozent, soll mit klassischer Technologie in 800-1.400 Metern Tiefe abgebaut werden.

Über Tage ist der Bau von Aufbereitungsanlagen auf einer abgeholzten Fläche von mindestens 45 Hektar (ca. 63 Fußballfelder) mitten in einem gewachsenen Wald geplant, wo das Erz in eine äußerst feine Pulverisierung gemahlen und die Kupferverbindungen im Flotationsverfahren mit Wasser und Chemikalien aufkonzentriert wird. Der Wasserverbrauch wird enorm sein und die Abwässer hoch belastet.

Das verbrauchte, wieder aufbereitete Wasser wird schlussendlich in die durch die Grubenwässer der Braunkohletagebaue hoch belastete Spree abgeleitet. Sie wird es auch nach Stilllegung der Tagebaue für sehr lange Zeit bleiben.

Mit der aktuellen Technik wird mit 80 Prozent Ausbeute an herausgelöstem sulfidischen Kupfermineralien gerechnet. Folglich bleiben 20 Prozent im Abraum zurück und es sind bei weitem nicht nur die sehr umweltschädlichen, hochgradig gewässerschädigenden und gesundheitsgefährdenden Kupfersalze. Die Firma KSL GmbH und das von ihr beauftragte Ingenieurbüro Gicon halten sich auch auf ausdrückliche Nachfragen mit Details zur Zusammensetzung der Lagerstätte zurück. Rückschlüsse aus den stillgelegten Bergbauen im Mansfelder Revier und aus dem noch in Betrieb befindlichen in Polen deuten auf Erzmineralien mit Arsen, Blei, Zink, Thallium, Uran, Kobalt usw. hin. Silber, Gold, Platin sind in geringem Umfang auch dabei und werden nach Möglichkeit in späteren Verfahrensschritten gewonnen.

Was soll mit den riesigen Mengen hoch belasteten Abraum werden? Über Tage auf Tailings (Abraumhalden) gelagert, wird es für ewige Zeiten eine unbeherrschbare Feinstaubquelle. Auslaugungen werden in das Grundwasser und die Oberflächengewässer kommen. Denkbare Lösungen, das weitgehend zu vermeiden, wären viel zu teuer und müssten vor allem in alle Ewigkeit aufrechterhalten werden - zu Lasten der Allgemeinheit, denn die Haftung des Bergbauunternehmens endet 20 Jahre nach Einstellung der bergbaulichen Aktivitäten. Das setzt voraus, dass eben dieses solange vorhanden und solvent ist Die vorliegende Firmenkonstellation (eine in Zypern gemeldete GmbH) lässt daran zweifeln. Es wird also mit großer Wahrscheinlichkeit eine weitere Ewigkeitslast wie schon so viele in Deutschland.

Noch verwerflicher ist die Idee, den Abraum in den Tagebaurestlöchern bzw. teilweise schon rekultivierten Seen zu versenken. Dann sind sofort und unwiderruflich Grund- und Oberflächenwasser belastet.

Gefährdung der Wohngebiete erst einmal abgewendet

Einen Teil des Abraums in ausgebeutete Stollen zu versetzen, ist teuer und das Bergbauunternehmen zieht dies, wenn überhaupt nur in geringem Umfang in Betracht. So wird es unausweichlich zu massiven Setzungen kommen. Die Frage ist nur, wann und wie viel. Es gibt ein Setzungsgutachten, welches KSL bei einem renommierten Sachverständigen in Auftrag gegeben hat. Die Ergebnisse sind erschreckend und brechen nach einem relativ kurzen Zeithorizont von 19 Jahren ab, was Schlimmeres für die Zeit danach erwarten lässt. Das hat viele Bürger in höchste Sorge um den Wert ihrer Immobilen versetzt. Setzungen bedeuten irgendwann auch das Eindringen von Grubenwässern, die dann abgepumpt werden müssen. Neben diversen Schadstoffen wird es Salzwasser sein. Nur, wohin damit?

Was mit einem Fluss passiert, der mit zu viel Salz belastet wird, war im Sommer 2022 in der Oder zu sehen. Dabei ist die Spree viel kleiner als die Oder und ohne die Sümpfungswässer aus dem Braunkohlebergbau wird sie noch viel weniger Wasser führen. Es ist leicht auszumalen, was das für den Spreewald oder die Trinkwasserversorgung von Berlin bedeuten würde.

Die Tagesanlagen sind in der Nähe von Wohngebieten geplant. Neben dem unausbleiblichen Lärm ist auch die Abwetterung der Sprenggase ein Problem. In welchem Umfang sich die Sprengungen unter Tage an der Oberfläche bemerkbar machen, ist - wie vieles andere - unklar. Dabei ist zu bedenken, dass laut den eingereichten Unterlagen des ROV in 15-20 Jahren eben so viel Kupfer gewonnen werden soll, wie der Industriestaat Deutschland ca. in einem Jahr verbraucht, somit ist die wirtschaftliche Loslösung von Weltmarktabhängigkeiten nur ein Scheinargument. Rund 97 Prozent des Kupferbedarfs Deutschlands müssten trotzdem jährlich auf dem Weltmarkt eingekauft werden und das von eben denselben Brokern, die dann auch das Spremberger Kupfer handeln.

Fast 100 Millionen Tonnen Giftmüll im Stadtwald, Windverfrachtung des kontaminierten Staubes, Einleitung von bedenklichen Wässern in die Spree, an der viele Städte mit ihrer Trinkwasserversorgung hängen, Lärm, Abgase durch die Umsetzung von Sprengstoffen, Bodensenkungen, immense Kosten für die Kommune und vieles mehr lassen die Lausitzer an diesem Vorhaben zweifeln.

Seit dem 15. September 2023 ist das ROV geschlossen. Zum Glück ist die gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass keine Raumverträglichkeit des Vorhabens zu erkennen ist. Es beruhigt und freut uns allerdings nur bedingt. Die Möglichkeit zum Abbau der Lagerstätte wurde nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Auch Blas Urioste, der Country Manager der KSL, sieht dieses Ergebnis als Chance. In Abstimmung mit den Behörden und neuen Schritten kann der Weg zum großen Ziel, den Kupferschatz der Lausitz zu heben, weiterverfolgt werden. In Widerspruch kann die KSL GmbH zwar nicht gehen, wohl aber die Auswertung rechtlich prüfen lassen oder ein neues ROV einreichen. Der Lebensraum zahlreicher Tiere würde durch den Kupferbergbau zerstört werden. Nicht nur Zauneidechse (links) oder Ziegenmelker (rechts), sondern auch Rotmilan, Seeadler oder Raufußkauz kommen hier vor.

Info
Blick nach Sachsen
Wir atmen einmal tief durch und bearbeiten als nächstes Etappenziel unsere Einsprüche für den sächsischen Teil des Vorhabens "Entwicklung und Betrieb eines Kupferbergwerkes in der Lausitz", welches am 14.08.2023 gestartet ist. Unsere begründeten schriftlichen Stellungnahmen zum Kupferabbau im Raum Schleife konnten bis 06.10.2023 bei der Landesdirektion Sachsen in Dresden eingereicht werden. Mit dem Ergebnis dieses ROVs ist Anfang 2024 zu rechnen. Wir hoffen auf ein ebenso naturschutzfreundliches, Tierlebensraum schützendes und heimatbewahrendes Ergebnis der sächsischen Behörde.


Bildunterschriften der im Schattenblick nicht veröffentlichten Abbildungen der Originalpublikation:
  • Noch ist die Lausitzer Landschaft ein Geheimtipp für "Naturfreunde
  • Stadtwald Spremberg mit Wasserwerk und "kleinem NABU-Park".
  • Im Landschaftsschutzgebiet Slamener Heide leben mehrere Wiedehopf-Brutpaare (links ein Jungvogel) und seit einigen Jahren auch ein Europäisches Grauwolfpaar (rechts ein Welpe). Fotos: Lennert Piltz - www.lennertpiltz.de


Anmerkung der SB-Redaktion:
Zum Stand des Raumordungsverfahrens siehe auch Medieninformation 011/2024 der Landesdirektion Sachsen, vom 28.03.2024:
Sachsen schließt Raumordnungsverfahren für Kupferbergwerk in der Lausitz ab - Planungen sind nur zum Teil mit den Zielen der Raumordnung vereinbar
https://www.lds.sachsen.de/?ID=21341&art_param=1072

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Quelle:
naturmagazin, 37. Jahrgang - Nr. 4, Dezember 2023 bis Februar 2024, S. 36-39
Herausgeber:
Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin
Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V., Landesverband Brandenburg
NaturSchutzFonds Brandenburg, Stiftung öffentlichen Rechts
Natur+Text GmbH
Anschrift der Redaktion:
Natur+Text GmbH
Friedensallee 21, 15834 Rangsdorf
Tel.: 033708/20431, Fax: 033708/20433
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veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 11. Juni 2024

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