Deutsche Umwelthilfe e.V.
Pressemitteilung - Mittwoch, 21.01.2026
Umweltverbände kritisieren: Stadtrat Wilhelmshaven macht den Weg frei für fossile Industrie auf Kosten der lokalen Natur
• Bündnis für den Schutz des Voslapper Groden Nord kritisiert den Beschluss des Stadtrates Wilhelmshaven scharf und kündigt rechtliche Schritte an
• Gegen die akut drohende Zerstörung des Schutzgebiets kündigt das Bündnis einen Eilantrag an
• Die Zerschlagung eines Natura 2000-Schutzgebietes für Industrieanlagen ist ein gefährlicher Präzedenzfall mit Wirkung über Wilhelmshaven hinaus
Wilhelmshaven, 21.1.2026: Trotz erheblicher Bedenken und Protest von
Umwelt- und Naturschutzverbände sowie zivilgesellschaftlich aktiven
Gruppen, stimmte der Stadtrat Wilhelmshaven in seiner Sitzung am 21.
Januar 2026 der Änderung der Naturschutzgebietsverordnung und dem
Bebauungsplan 225 Voslapper Groden Nord/Nördlich Tanklager zu. Damit
wird eines der wertvollsten Schutzgebiete im europäischen Verbund
Natura 2000 faktisch entwertet. Das Bündnis für den Schutz des
Voslapper Groden Nord kritisiert den Beschluss des Stadtrates
Wilhelmshaven scharf und kündigt rechtliche Schritte an.
Die Bauleitplanung sieht auf dem Gelände den Aufbau von Importinfrastruktur für verflüssigte Gase vor. Bis voraussichtlich 2045 wird damit ein fossiler Lock-in festgeschrieben, der als "Brückentechnologie" zum Übergang für grüne Gase bezeichnet wird. Der Bundesrechnungshof empfiehlt mittlerweile jedoch einen Realitätscheck für den stockenden Wasserstoffhochlauf, der den Import von fossilem LNG ablösen soll.
Für den Bau der Industrieanlagen liegt dem Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg bereits ein Antrag auf vorzeitigen Maßnahmenbeginn vor. Nach Bekanntgabe der Ratsentscheidung rechnet das Schutzbündnis im Laufe der nächsten Woche mit ersten Eingriffen in das Naturschutzgebiet. Um irreversible Schäden am Naturschutzgebiet zu verhindern, wird das Bündnis einen Eilantrag gegen den schon angekündigten vorzeitigen Maßnahmenbeginn stellen.
Prof. Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen: "Die Entscheidung der Stadt Wilhelmshaven ist ein schwerer Schlag für den Natur- und Artenschutz. Mit der Freigabe des Voslapper Groden-Nord für industrielle Bebauung wird eines der wertvollsten Schutzgebiete Niedersachsens unwiderruflich zerstört und das für ein Projekt, welches weder nachhaltig noch zukunftsfähig ist. Hier wird mit vermeintlich grünen Versprechungen Augenwischerei betrieben, während in Wahrheit fossile Infrastruktur auf Kosten unserer letzten Rückzugsräume für seltene Arten durchgedrückt wird. Wir werden nun den juristischen Weg bestreiten müssen und alles daran setzen, dieses naturzerstörerische Vorhaben zu stoppen."
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: "Mit seinen Beschlüssen erfüllt der Stadtrat Wilhelmshaven die Wunschliste der Industrie. Entgegen den Behauptungen der Vorhabenträgerin, handelt es sich bei dem Energiepark nicht um ein innovatives Projekt: Tatsächlich wird vor allem klassisch fossile Infrastruktur errichtet. Statt die Projektbestandteile gründlich auf ihre Zukunftsfähigkeit zu prüfen, winkt der Rat die Zerstörung des Voslapper Groden-Nords durch und ebnet damit dem Großprojekt im Natur- und Vogelschutzgebiet den Weg. Statt die Energiewende voranzutreiben, wird damit ein sensibler Schutzraum für gefährdete Arten zerstört und fossile Abhängigkeiten verlängert. Dagegen gehen wir als Bündnis rechtlich vor."
Susanne Gerstner, Vorsitzende des BUND Niedersachsen: "Wir sind bedauern, dass der Stadtrat der Zerstörung des EU-Vogelschutzgebietes Voslapper Groden Nord zugestimmt hat. Diese Entscheidung bedeutet die unwiderrufliche Vernichtung eines einmaligen, historisch gewachsenen Lebensraums von europaweiter Bedeutung - denn es gibt aktuell keine geeigneten Ersatzflächen für die dort vorkommenden Tier- und Pflanzenarten. Angesichts des ungebremsten Artensterbens in Niedersachsen, Deutschland und Europa wird der Stadtrat Wilhelmshaven seiner Verantwortung nicht gerecht. Im Gegenteil: Der Beschluss steht im Widerspruch zum notwendigen Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen."
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Quelle:
Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH)
Pressemitteilung, 21.01.2026
Hackescher Markt 4, 10178 Berlin
Tel.: 030/25 89 86-0, Fax.: 030/25 89 86-19
Internet: www.duh.de
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 30. Januar 2026
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