OceanCare - News, 30. Januar 2026 - Out of Habitat / Wale
Seltene Sichtung: Polarwal in niederländischen Gewässern
In den letzten Tagen sorgt ein Belugawal vor der niederländischen Küste für Aufsehen - und auch für Besorgnis um sein Überleben.
Am 17. Januar entdeckte man einen 4,6 Meter langen weissen Wal vor Callantsoog in den Niederlanden. Seither hält sich das Tier zwischen Egmond aan Zee und Den Helder in der Provinz Noord-Holland auf.
Als die erste Meldung über ein unbekanntes weisses Objekt im Meer einging, rechnete der nationale Seenotrettungsdienst (Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij, KNRM) nicht damit, bei der Überprüfung auf dieses Meeressäugetier zu stossen - eine Art, die normalerweise in den eisigen Gewässern der Arktis und Subarktis lebt.
Belugas (Delphinapterus leucas) sind perfekt an das Leben in nördlichen Meeren angepasst. Eine dicke Speckschicht schützt sie vor kalten Wassertemperaturen, sie verfügen über ein ausgefeiltes Echoortungssystem und haben gelernt, unter wechselnden Eisverhältnissen zu leben und zu jagen.
Zuletzt tauchte 1984 ein Beluga ausserhalb seines Lebensraums vor der niederländischen Küste auf. Damals liess sich das Tier vom Ufer aus kaum beobachten und blieb von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt - ganz anders als jenes Exemplar von 1966, das den Rhein hinaufschwamm, die gesamten Niederlande durchquerte und schliesslich in die Nordsee zurückkehrte.
Die Stiftung SOS Dolfijn [*] beobachtet den aktuellen Beluga genau. Sie ist auf die Rettung und Rehabilitation von Walen in Not im niederländischen Teil der Nordsee spezialisiert. Das Tier scheint gesund und aktiv zu sein und zeigt weder Verletzungen noch Anzeichen einer Verwicklung. Laut Jeroen Hoekendijk, Meeresbiologe und ehrenamtlicher Mitarbeiter bei SOS Dolfijn, wäre ein Tier in diesem Zustand in der Arktis völlig unauffällig. Sein aktueller Aufenthaltsort ist jedoch aussergewöhnlich - und wirft Fragen zu sich verändernden Lebensräumen in der sich rasch erwärmenden Arktis auf.
Der Belugawal ist in den vergangenen Tagen zur Attraktion geworden. Immer häufiger nähern sich Boote und Drohnen dem Tier - eine besorgniserregende Entwicklung. Diese Störungen lösen beim Wal deutliche Stressreaktionen aus: Er ändert Schwimmrichtung und Geschwindigkeit, schlägt mit der Schwanzflosse und weicht aus. Solches Verhalten kostet das Tier Energie und bedeutet zusätzlichen Stress. SOS Dolfijn appelliert daher eindringlich an die Öffentlichkeit, dem Wal fernzubleiben und ihn ausschliesslich vom Ufer aus zu beobachten.
Da das Tier gesund wirkt, hofft man, dass es bald eigenständig in seinen natürlichen Lebensraum zurückfindet. Derzeit ist keine Intervention nötig - ausser dem Aufruf, den Wal in Ruhe zu lassen.
Es ist nicht die erste Sichtung dieser Art: In den letzten Jahrzehnten besuchten vereinzelte Belugas Europa, darunter in Frankreich, Deutschland, Dänemark und Schottland. Ein Exemplar hielt sich 2018-2019 in der stark befahrenen Themse auf, bevor es wieder verschwand.
Auch mehrere Walrosse wurden in den vergangenen Jahren gesichtet.
OceanCare beobachtet diese Entwicklung und hat Empfehlungen zum Umgang
mit solchen Tieren veröffentlicht. Zumindest ein Teil dieser
Sichtungen dürfte auf Veränderungen in der Arktis zurückzuführen sein:
Der Klimawandel zwingt offenbar manche Tiere, nach Süden auszuweichen
und dort nach neuen Lebensräumen und Nahrungsquellen zu suchen.
Mehr über die Arbeit von OceanCare und unser neuester Bericht über
Meeressäuger ausserhalb ihres Lebensraums finden Sie hier.
https://www.oceancare.org/en/stories_and_news/out-of-habitat-new-study/
[*] https://www.sosdolfijn.nl/deutsch
*
Quelle:
OceanCare - Medienmitteilung, 30. Januar 2026
Herausgeber: Verein OceanCare
Oberdorfstr. 16, Postfach 372, Ch-8820 Wädenswil
Tel.: +41 (0) 44 780 66 88, Fax: +41 (0) 44 780 66 08
E-Mail: info[at]oceancare.org
Internet: www.oceancare.org
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 30. Januar 2026
Zur Tagesausgabe / Zum Seitenanfang