BUND - Landesverband Thüringen
Pressemitteilung - Erfurt, 20.01.2026
Aus geheimen Kontakten vor der Wende zur gemeinsamen Arbeit am Grünen Band: Grenzüberschreitendes Engagement junger Menschen für Natur, Umwelt und Bürgerrechte von den 1970ern bis heute
Auf Einladung von BUND Thüringen und BUNDjugend Thüringen trafen junge Menschen in der Gedenkstätte Andreasstraße auf Aktive und Zeitzeug*innen aus Naturschutz und der Umwelt- und Bürgerrechtsbewegung der DDR.
Nach einer Führung durch die Gedenkstätte Andreasstraße, bei der Lina Kornmüller vor allem über die Umwelt- und Bürgerrechtsbewegung der DDR und Haft aufgrund von Republikflucht informierte und einer Einführung in das Grüne Band trafen sich junge Aktive von heute mit denen von damals und tauschten sich im Rahmen einer "Living Library" über Problemstellungen, Lösungsansätze und Aktivitäten im Bereich Naturschutz, Erinnerung und Demokratie aus.
"Das Grüne Band ist ein Glücksfall in der Geschichte der Transformation", so Kai Frobel, Initiator des Grünen Bandes, "weil es eine Geschichte der grenzüberschreitenden Kooperation auf Augenhöhe seit den 1980er Jahren bis heute erzählt. Der gemeinsame Einsatz für Natur und Erinnerung hat uns zusammengeschweißt und aus privaten Kontakten vor der Wende ein Netzwerk entlang des gesamten Eisernen Vorhangs, dem heutigen Grünen Band Europa, geschaffen."
"Wir leben heute in einem anderen System als vor 1989 und sind froh über Demokratie und Freiheiten, die es damals nicht gab. Aber weder Demokratie noch eine intakte Natur sind Selbstläufer", so Ralf-Uwe Beck, Umwelt- und Bürgerrechtler. "Es braucht den kontinuierlichen Einsatz, gerade auch von den kommenden Generationen. Das Grüne Band hat gezeigt, wie aus einem menschenverachtenden Todesstreifen eine verbindende Lebenslinie entwickelt werden kann - dank des dauerhaften, teils lebenslangen Engagements vieler."
Kathleen Ehrlich (BUNDjugend) ergänzt "Nur mit gemeinsamem Engagement können wir dem Verlust der Biodiversität, dem Klimawandel und dem Wiedererstarken des Autoritarismus etwas entgegensetzen. Der Blick unterschiedlicher Generationen auf diese Themen ist spannend."
Bereits in den 1970er Jahren entdeckte der junge Ornithologe Kai Frobel, dass die seltenen Braunkehlchen ausgerechnet im Todesstreifen einen Rückzugsraum gefunden hatten. Von der Stasi überwacht tauschte er sich mit einem Sonneberger Gleichgesinnten aus, so wie es auch Umwelt- und Bürgerrechtler*innen der DDR um Ralf-Uwe Beck mit Aktiven des BUND taten. Bereits einen Monat nach dem Mauerfall lud Kai Frobel Naturschützer aus Ost und West zum gesamtdeutschen Treffen. Es wurde die Geburtsstunde des Grünen Bandes. Das Spannende: Die damaligen Akteur*innen sind noch heute im Einsatz für Natur, Umwelt und Bürgerrechte.
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung statt und wird im Rahmen des Projektes "Aus geheimen Kontakten vor der Wende zur gemeinsamen Arbeit am Grünen Band" von der Bundesstiftung Aufarbeitung gefördert. Dieses Projekt beleuchtet mit Archivrecherchen und Interviews mit Zeitzeug*innen, wie aus Kontakten zwischen ostdeutschen Umwelt- und Bürgerrechtlern und Naturschützern auf der einen Seite und westdeutschen Handelnden des BUND der gemeinsame Einsatz für Natur und Umwelt wurde und die Initiative Grünes Band entstand, in der heute Akteur*innen aus 24 Ländern entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs an einem friedlichen Miteinander in einer intakten Natur arbeiten.
*
Quelle:
Pressemitteilung, 20.01.2026
Herausgeber:
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.
Landesverband Thüringen
Landesgeschäftsstelle:
Trommsdorffstr. 5 99084 Erfurt
E-Mail: presse(at)bund-thueringen.de
Internet: https://www.bund-thueringen.de
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 30. Januar 2026
Zur Tagesausgabe / Zum Seitenanfang